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Nach dem Boom-Jahr 2011 mit fast 40 Prozent Plus dürfte sich das Wachstum mit Robotik und Automation in 2012 abschwächen, prognostiziert der VDMA
Wie entwickelt sich die Automation 2012? Was werden die wichtigsten Jahrestrends? Diese und andere Fragen beantworten Branchengrößen in einer exklusiven Umfrage der Automationspraxis.
Nach dem Boom-Jahr 2011 mit fast 40 Prozent Plus dürfte sich das Wachstum mit Robotik und Automation in 2012 abschwächen, prognostiziert der VDMA
Große Branchenumfrage der Automationspraxis: Einige Märkte schwächeln, doch die Nachfrage nach Robotik und Automation bleibt insgesamt robust

2012: Grün, integriert und global gegen die Krise

2011 war für alle Automatisierungsspezialisten ein absolutes Rekordjahr (siehe Grafik). Allerdings geht dieses rasante Wachstum in diesem Jahr wohl nicht weiter. So erwartet Volker Spanier, Leiter Factory Automa- tion bei Epson, zwar eine stabile positive Entwicklung, weil er weiß, dass die Auftragsbücher der Kunden bis weit in das Jahr hinein gut gefüllt sind: „Wir gehen jedoch davon aus, dass wir nicht erneut das außerordentlich gute Wachstum des Jahres 2011 erreichen können."

Ähnlich äußert sich Andreas König, Director Industrial Automation für Zentraleuropa bei Mitsubishi Electric Europe: Zwar entwickle sich insbesondere der Bereich Robotik hervorragend und auch 2012 werde man daher weiter wachsen, aber eben nicht mehr so schnell wie in 2011. „Gerade die wirtschaftliche Unsicherheit ist derzeit eine Bremse für größere Investitionen."

Dr. Oliver Vietze, CEO der Baumer Group, nickt: „Es besteht tatsächlich eine nicht unerhebliche Wahrscheinlichkeit, dass das Jahr 2012 wieder schwieriger werden könnte. Bei vielen Kunden ist eine deutliche Verlangsamung und bei einigen sogar spürbar sinkende Auftragseingänge zu verzeichnen."

Insbesondere die Krise um den Euro und die offensichtliche Hilflosigkeit der politisch Verantwortlichen verunsichern viele Marktteilnehmer, bestätigt Manfred Stern, President und COO, Yaskawa Europe: „In den südlichen Ländern der Eurozone sehen wir bereits einen Rückgang in der Realwirtschaft, weil es dort schwieriger wird, Kapital für Investitionen auf dem Kreditmarkt zu erhalten."

Auf der anderen Seite sieht Stern nach wie vor eine konstant starke Nachfrage aus der Automobilbranche und den Zulieferer-Industrien. Insbesondere die Auftragsbücher im Bereich Robotik seien mit mittel- und langfristigeren Projekten gut gefüllt – und neue Projekte aus dem Tier 1-Bereich werden schon verhandelt.

Ähnliches berichtet Heinz Gerteiser, Leiter Robotics Zentral Europe bei ABB: „Wir gehen zwar in Anbetracht der aktuellen Entwicklung und des nachlassenden Wirtschaftswachstums davon aus, dass sich die Nachfrage in einigen frühzyklischen Sektoren verringern wird – insbesondere unsere Stammkunden, die deutschen Premiumhersteller, sind aber auf gutem Kurs." Daher ist er hier für 2012 optimistisch, zumal generell die Nachfrage nach flexiblen Automatisierungslösungen robust bleibe.

Nachfrage bleibt weiter hoch

Dem pflichtet Henrik A. Schunk, geschäftsführender Gesellschafter bei Schunk, bei: „Auch wenn wir im kommenden Jahr wohl nicht mehr die rasanten Steigerungsraten der vergangenen beiden Jahre sehen werden, gehen wir doch von einer weiterhin hohen Nachfrage aus. Denn Robotik und Automation sind und bleiben Märkte mit hohem Potenzial."

Vollkommen optimistisch blickt daher Fanuc-Robotics-Geschäftsführer Olaf Kramm ins Jahr 2012: „Wir können keine Anzeichen für eine Krise erkennen." Mit einer neuen Roboterfabrik, die im Dezember in Japan eröffnet wurde, sei man dafür auch bestens aufgestellt. „Damit werden wir in der Lage sein, 5000 Roboter monatlich zu produzieren und werden auch entsprechend lieferfähig sein."

Auch bei Festo will man von einer Krise nichts hören: „Unsere Auftragsbücher im Maschinenbau sind voll", betont der Vorstandsvorsitzende Dr. Eberhard Veit. Gerade die Eurokrise habe den Druck auf Maschinen- und Anlagenbauer erhöht, noch mehr in wettbewerbsfähige Automationslösungen zu investieren. „Wir spüren diese starke Nachfrage gerade auch in Europa und insbesondere im Heimatmarkt Deutschland."

Und Deutschland werde auch in den kommenden Jahren das Rückgrat für den europäischen Maschinenbau bleiben, ist Veit überzeugt. „Dazu werden wir als Schwerpunkt in Deutschland in den nächsten Jahren eine große Technologiefabrik und eines der modernsten Produktionswerke Europas bauen."

Ausbau in China

Darüber hinaus will er aber auch in den boomenden Märkten in Asien wachsen, allen voran in China. In Fernost erweitern die Esslinger daher derzeit die Produktions- und Logistikkapazitäten sowie Servicecenter. „Wir stellen unsere globale Supply Chain so auf, dass in Zukunft eine noch schnellere und flexiblere Reak- tion auf die extremen Veränderungen der Märkte möglich wird", erläutert der Festo Vorstand Veit.

Bei Schunk ist die weitere Internationalisierung ebenfalls ein wichtiger Baustein der Wachstumsstrategie. „Zudem werden wir unser Profil in Wachstumsbranchen weiter schärfen", so Schunk. weiter Seite 24

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„Darauf wird unser Produkt- und Serviceportfolio sowohl aus technischer wie auch aus rechtlicher Sicht zugeschnitten", fährt Schunk fort. „Wir werden Prozesse und Strukturen weiter im Sinne unserer Kunden rund um den Globus optimieren."

Einen ähnlichen Fokus legt Baumer. „Den schwierigen Rahmenbedingungen begegnen wir mit einer Innovationsoffensive", so Vietze. „Gleichzeitig werden wir unsere Internationalisierung vorantreiben." Denn der Ausbau des internationalen Vertriebsnetzes biete weiterhin enormes Wachstumspotenzial: „ Daher werden wir unsere bislang sehr erfolgreiche Asienstrategie weiter vorantreiben. Auch hier in Europa konnten wir in 2011 Marktanteile gewinnen, das wollen wir fortsetzen."

Musik spielt immer mehr in Asien

Allerdings geht Mitsubishis König davon aus, dass Europa durch die Eurokrise 2012 kaum wachsen wird: „Die Musik wird immer mehr in Asien spielen." Maschinenbauer würden sich daher vermehrt auf Asien fokussieren und dafür starke Partner suchen, die nicht nur ein Produkt liefern können, sondern qualitativ gute und preiswerte Lösungen. „Wir als asiatischer Marktführer werden davon profitieren können." Dafür werde Mitsubishi sich weiter Step by Step vom Produktanbieter zum Lösungsanbieter entwickeln.

Auch bei ABB stehen neben neuen Service-Konzepten vor allem Systemlösungen basierend auf dem Baukastenprinzip sowie aufeinander abgestimmte Produkte, die einfach und problemlos integrierbar sind, stark im Fokus, berichtet Gerteiser. „Bei den immer dynamischeren Anwendungen, steigendem Integrationsgrad und dem komplexeren Zusammenspiel der Komponenten profitieren Kunden von Produkten, die reibungslos miteinander kommunizieren und auf der Plattform eines einzigen Herstellers basieren."

Den Weg in Richtung integrierte Gesamtlösungen geht Yaskawa natürlich mit. Stern: „Wir sind überzeugt, dass wir als Komplettanbieter von Antriebskomponenten und Robotern den Trend zur weiteren Integration ganzer Produktionslinien hervorragend unterstützen können." Denn die Optimierung spiele am Markt eine große Rolle: „Das betrifft die Fortführung der Integration einzelner Automatisierungsmodule sowie die Reduzierung des Platzbedarfs in Fabriken." So helfe etwa der hauseigene 7-Achser den Flächenverbrauch pro Roboter zu reduzieren.

Kosten und Flexibilität sind Thema

Auch bei Baumer erwartet Vietze mehr Fokus auf die Kosten: „ Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs und Kostendrucks wird die Minimierung der Total Cost of Ownership eine größere Bedeutung bei der Automatisierung erlangen." Zudem bleibe das Thema Zuverlässigkeit in der Automatisierung eine ganz wichtige Herausforderung und eine grundlegende Maßgabe bei der Produktentwicklung.

Daneben spiele die Flexibilität eine große Rolle, ergänzt Festo-Vorstand Veit: „Wir brauchen die atmende adaptive Fabrik, um auf die extremen Veränderungen der internationalen Märkte in Zukunft noch besser und schneller reagieren zu können."

Vor allem aber sehen viele Anbieter die Energieeffizienz als wichtiges Thema an. Yaskawas Stern: „Energieeinsparung wird noch weiter an Bedeutung gewinnen und unser Wachstum in der Antriebstechnik vor allem bei den Invertern unterstützen."

Aber auch bei den Robotern wollen die Eschborner nun deutlich energieeffizientere Produkte anbieten. „Neben der Gewichtsoptimierung der Manipulatoren nutzen wir Ansätze zur Energiezwischenspeicherung und zur Energierückspeisung. Je nach Anwendung können wir dadurch 15 bis 30 Prozent des Energieverbrauchs einsparen."

Energiesparen liegt voll im Trend

Fanuc nimmt das Energiesparen in der Fabrik ebenfalls stärker ins Visier. Kramm: „Wir werden dieses Jahr in Europa die neue Steuerungsgeneration R-30iB vorstellen. Die neue Steuerung wird unter anderem beim Thema Energiesparen neue Wege aufzeigen." Denn auch Epsons Spanier weiß, dass gerade bei Kunden in Deutschland und Zentraleuropa das Thema energieeffiziente und damit kostensparende Maschinen weit oben auf der Agenda steht.

Auf die Nachhaltigkeitskarte setzt nicht zuletzt Festo. Veit: „ Neue Technologien müssen drängende Probleme lösen. Ich nenne nur die Stichworte Energieeffizienz, regenerative Energiequellen, Elektromobilität, Welternährung, Wasserknappheit, effiziente und ressourcenschonende Produktion. Hier können wir als Partner produzierender Unternehmen einen großen Beitrag für die nachhaltige Produktion leisten.

Bei ABB setzt man ebenfalls auf den Nachhaltigkeitstrend. Gerteiser geht davon aus, dass die E-Mobility 2012 einen großen Stellenwert haben wird: „Dazu gehört sowohl die Produktion von E-Fahrzeugen, speziell Motoren und Batterien, als auch das Handling von unterschiedlichen Materialien wie Aluminium, Stahl und CFK."

21.02.2012


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