IT und Maschinenbau verschmelzen
„Bei der Bundesregierung hat die Bedeutung der Produktionstechnik nachgelassen", beklagt Prof. Engelbert Westkämper, der ausscheidende Leiter des Fraunhofer IPA. Westkämper ist geknickt, weil der von ihm gepuschte Cluster Manufuture-BW nicht zu fünf Spitzenclustern gehört, die vom Bundesforschungsministerium über fünf Jahre bis zu 40 Millionen Euro für die Umsetzung ihrer Strategie erhalten. Bei Manufuture-BW, das von Fraunhofer IPA, Siemens, HP und namhaften Maschinenbauunternehmen vorangetrieben wird, sollen Apps Maschinenbauingenieure produktiver machen.
Denn der Fachkräftemangel ist ein großes Problem für die Branche, so Westkämper: „Nachdem Anfang der 90er Jahre eine intensive Debatte um den Produktionsstandort Deutschland lief, gab es massive Einbrüche bei den Maschinenbau-Studenten. Unter den fehlenden Ingenieuren leidet die Industrie heute." Das ist auch insbesondere von Bedeutung, als eine einmal eingeführte Technik alleine nicht mehr hilft. „Fabriken müssen heute permanent auf Veränderungen reagieren. Dafür ist Wissen nötig."
Der Manufuture-Ansatz will das Problem IT-basiert lösen, in dem man Ingenieuren in einem Apple-artigen App-Store Know-how mobil zur Verfügung stellt. „Denn um die digitale Welt kommt man in der Fabrik künftig nicht mehr drum herum. Eine Smart Factory muss daher reale Arbeitsplätze mit der digitalen Welt verknüpfen" , so Westkämper.
Das sieht sein Nachfolger Professor Thomas Bauernhansl genauso: „Produktionstechnik, IT und Menschen werden künftig untrennbar miteinander verschmelzen." Dazu müssten sich aber auch zentralistische Software-Strukturen auflösen, plädiert er für ein Ende der hochintegrierten aber monolithischen Systeme wie SAP. Er sieht die digitale Fabrik eher auf Basis von dezentral entwickelten Apps in einem Cloud-Computing-Umfeld entstehen.
Immerhin hat beim Forscher-Wettbewerb ein anderer Maschinenbau-naher Spitzencluster gewonnen, der ebenfalls eine Symbiose von Ingenieurwissenschaften und Informatik anstrebt: Der Cluster Intelligente Technische Systeme Ost-WestfalenLippe (It´s OWL) will mit cleverer Software intelligente technische Systeme bauen, die adaptiv, vorausschauend und benutzerfreundlich zugleich sind. In der Riege der Unterstützer sind mit Beckhoff, Harting, Lenze, Phönix Contact, Weidmüller und Wittenstein einige Automatisierungsabieter vertreten.
Auch bei einem anderen siegreichen Cluster steht die IT stark im Fokus: Der baden-württembergische Verbund Elektromobilität Süd-West will Fahrzeugbau, Energietechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) mit den Forschungsinstituten aus der Region Karlsruhe – Mannheim – Stuttgart – Ulm vernetzen. Produktionstechnik und Maschinenbau spielen dabei aber nur eine Nebenrolle: Den Ton geben eher EnBW, IBM, SAP, Daimler und Porsche an.
Weniger IT-affin ist dagegen der ebenfalls siegreiche Cluster MAI Carbon. Im Drei-Städte-Eck München-Augsburg-Ingolstadt will dieser kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) bis 2020 großindustriell nutzbar machen. Beteiligt ist neben Audi und BMW auch Kuka Roboter.
