BioPoLis sorgt für interdisziplinäre Forschung und Entwicklung
Das Thema Gesundheit beschäftigt uns alle: Jeder möchte gesund leben und diesen Zustand auch beibehalten. Treten doch Gebrechen und Krankheiten auf, sind wir in der Bundesrepublik Deutschland dank unseres Gesundheitswesens in der glücklichen Lage, dass fast immer optimal geholfen werden kann.
Basis hierfür ist eine hervorragende, effektive und innovative Forschung im Bereich der Medizintechnik, Biotechnik und allen anderen Fakultäten, die den medizinischen Fortschritt in der Vergangenheit und in Zukunft erst möglich gemacht haben und möglich machen.
Medizin und Gesundheit haben aber auch eine sehr wichtige Bedeutung für unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Die Akteure im Gesundheitswesen, dazu zählen neben Kliniken und Arztpraxen auch Forschungsinstitutionen, Arzneimittelhersteller und Unternehmen der Medizintechnik, stellen mit einen bedeutenden Wirtschaftszweig unseres Landes dar. Der Gesamtumsatz im Bereich Gesundheit liegt in unserer Volkswirtschaft bei über 230 Milliarden Euro pro Jahr.
Eine weitere Entwicklung in diesem Bereich ist nicht zu vernachlässigen. Der Bedarf an medizinischen Leistungen steigt qualitativ und quantitativ ständig an. Diese Entwicklung ist besonders noch unter dem Umstand zu beachten, dass unsere Bevölkerung immer älter wird. Mediziner, Soziologen und Statistiker sagen heute schon voraus, dass in einer Generation, das ist im Jahr 2035, in Deutschland die Hälfte der Bewohner älter als 65 Jahre sind.
Zu dieser Entwicklung kommt noch ein steigendes Gesundheitsbewusstsein der Menschen, dem aber vor allem der ökonomische Druck entgegensteht. Bei Betrachtung und Berücksichtigung all dieser Parameter ist der erhöhte Bedarf an Entwicklungs- und Forschungsaktivitäten im Bereich der Medizintechnik klar zu erkennen.
Mit seinen Forschungsarbeiten reagiert das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA auf diesen Trend. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts haben sich aus dem breiten Anforderungsprofil der Forschung im Bereich Medizintechnik dem Gebiet der Automatisierungslösungen angenommen.
Mit dem neuen Bioproduktions-Labor in Stuttgart (BioPoLis) wurde in ein Labor investiert, das sich vor allem der Anlagen- und Gerätetechnik in der Bioproduktion annimmt. In den meisten Produktionsprozessen unserer Industrie gehören automatisierte Anlagen und Prozesse zum aktuellen Standard einer modernen leistungsfähigen Produktion. Die Fraunhofer Forscher sind davon überzeugt, dass sich sehr viele Vorgänge automatisieren lassen. Dadurch lassen sich Kosten und Produktionszeiten herabsetzen.
Ein weiterer Vorteil dieser automatisierten Produktionsschritte ist deren Reproduzierbarkeit. Die Wissenschaftler des Fraunhofer IPA gehen nun auf die Suche nach ersten Anwendungsmöglichkeiten. Dabei werden sie sich im ersten Schritt Laborprozesse genau anschauen und analysieren, Verbesserungen und Optimierungen erarbeiten, und dann auch diese in Versuchen und später in der Praxis anwenden.
Das Stuttgarter Forscherteam ist sich einig, dass es nur einen Erfolg geben kann, wenn die Fakultätsgrenzen aufgebrochen werden. Das heißt, Mediziner, Biologen, Chemiker und Ingenieure arbeiten im Team an einer gemeinsamen Aufgabenstellung. BioPoLis wird dafür die notwendige Entwicklungsumgebung schaffen.
Nicht nur im technischen Bereich setzt das Labor neue Maßstäbe, auch ist der Gedanken- und Erfahrungsaustausch verschiedener Fachdisziplinen ein kreativer und innovativer Nährboden für positive und zukunftsweisende Entwicklungen.
Hubert Grosser Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung www.ipa.fraunhofer.de
