„Alles oberhalb der Steuerung kann aus der Cloud kommen"
· Wo findet die Verschmelzung von Standard-IT und Automatisierung derzeit am stärksten statt?
Küppers: Die Verschmelzung wurde in den letzten Jahren stark durch die vertikale Integration – Stichwort ERP-MES-Automatisierung – getrieben. Gerade in den schwierigen Jahren 2008/2009 stellten viele Unternehmen fest, dass es an klaren Fertigungsinformationen fehlt und es in der Fabrik immer noch zu viele Informationsinseln gibt, aus denen entscheidungsträchtige Informationen zeitnah benötigt werden. Seither ist auch ein starker Harmonisierungstrend im Bereich Enterprise Manufacturing Intelligence zu erkennen. Verstärkt wird das Ganze durch die zunehmende Verbreitung des Ethernet im Produktionsbereich. Inzwischen wird MES aber vermehrt auch als Mittel gesehen, um die horizontale Integration verschiedener Bereiche im Unternehmen modularer zu gestalten.
· Was ist das Ziel?
Küppers: Man will einzelne Bereiche und Prozessabläufe besser und flexibler darstellen und damit eine flexiblere Produktion unter steigendem Kosten- und Qualitätsdruck gewährleisten. Gleichzeitig will man damit aber auch die Interoperabilität im Unternehmen erhöhen und in der gesamten Supply Chain weitere Optimierungen durchführen. Dies kann aber nur durch eine hohe Transparenz und zeitnahe Informationsdichte erzielt werden, an der gerade alle marktführenden Unternehmen arbeiten.
· Wie weit wird diese Konvergenz in Zukunft noch gehen?
Küppers: Wenn wir einen Blick in die Zukunft wagen, dann ist das Ziel sicherlich, Engineering-Kosten weiter zu senken und weitere Standards zu erzeugen, die applikationsübergreifend arbeiten. Neben der App zur Maschinenwartung sollte es in Zukunft bei der Planung einer Maschine in CAD bereits Programmierungen in der SPS geben. Workflows und automatische Rezepte sollten den möglichen Prozessablauf festlegen und diese wiederum unsere Finanzsysteme und unseren Supply Chain automatisch konfigurieren und beeinflussen.
· Werden wir IT-Trends wie Cloud Computing über kurz oder lang auch in der Automation sehen? Werden wir Maschinen via Internet steuern?
Küppers: Die sicherheitsrelevanten Aktivitäten in den Steuerungen werden weiterhin vor Ort bleiben – die Exekutive bleibt also in der Steuerung. Aber der Anstoß dieser Aktivitäten und die damit verbundenen Applikationen sowie der Workflow in einem Unternehmen und deren finanzgerechte Steuerung sowie die benötigten Informationen aus dem Bereich Enterprise Manufacturing Intelligence kann durchaus aus dem Bereich Cloud kommen. Real betrachtet kann also alles oberhalb der Steuerungen Cloud basierend sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen aber noch mentale Hürden überwunden und erste Erfahrungen ausgewertet und verarbeitet werden.
· Wie können wir vermeiden, dass mit den Standard-IT-Technologien auch deren Sicherheitsprobleme in die Automation einziehen?
Küppers: Erst einmal ist es wichtig, dass man weiterhin den Fertigungsbereich vom Büronetz abkoppelt. Vielen Unternehmen wird es nicht mehr möglich sein, ein ausgeprägtes Sicherheitskonzept kostenoptimiert aufrecht zu erhalten. Hier bietet Cloud Computing eine Alternative, mit der gezielter in die Sicherheit investiert werden kann. Unternehmen, die Cloud Computing anbieten, können sich durch diesen Service klar unterscheiden. Es ist wichtig, zu verstehen, dass im Fertigungsbereich nur gezielte Informationen einspeist werden können oder auch nur ein limitierter Zugriff auf Systeme besteht.
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