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Interview mit Reinhold Pfuderer, Gründer Pfuderer Maschinenbau GmbH

„Wachsende Geschwindigkeit verändert alles"

Warum Pfuderer Maschinenbau gestärkt aus der Krise kommt und wie sich das familiengeführte Unternehmen vom Sondermaschinenbauer zum Anbieter von modularen Lösungen für die Automation wandelt, erläutert Firmengründer Reinhold Pfuderer im Gespräch mit der Automationspraxis.

· Ihr Unternehmen ist gerade 50 Jahre alt geworden, während andere Sondermaschinenbauer mit der Insolvenz kämpfen oder übernommen werden: Wie haben Sie sich so gut am Markt gehalten?

Pfuderer: Die Gründe einer Insolvenz oder Übernahme sind immer vielfältig. Ohne eine genaue Untersuchung des internen und externen Spannungsfelds ist ein Vergleich kaum möglich. Aber ich kann sagen wie die Pfuderer GmbH auch das Krisenjahr 2009 überstanden hat: Wir konnten die schwierigsten Monate mit Kurzarbeit überbrücken. Und wir haben uns intensiv damit beschäftigt, wie wir auf die neue Marktsituation reagieren können. Im Ergebnis sind wir heute mit optimierten Geschäftsprozessen und neuen Produkten wieder gut aufgestellt.

· Im Süden Deutschlands sitzt ja eine Menge mittelständisches Automatisierungs-Know-how. Hätten all diese Mittelständler sich besser am Markt behauptet, wenn man stärker vereint aufgetreten wäre?

Pfuderer: Ich war damals, wie Sie wissen, an einem solchen Zusammenschluss sehr interessiert. Doch ich fand keine positive Resonanz in unserer Branche. Im Prinzip bin ich immer noch der Überzeugung, dass wir im gemeinsamen Austausch und in einem gut abgestimmten Netzwerk mehr hätten erreichen können. Ich glaube auch, dass wir uns – den familiengeführten mittelständischen Unternehmen – eine stärkere Lobby hätten verschaffen könnten.

· Was hat sich in den vergangenen 50 Jahren besonders stark geändert? Und was ist gleich geblieben?

Pfuderer: Gleich geblieben ist die Notwendigkeit von Fachkompetenz, Aufgeschlossenheit für neue Entwicklungen und absolute Zuverlässigkeit. Sehr verändert haben sich die Rahmenbedingungen und die zeitlichen Abläufe. Wir streben derzeit in der Anlagenentwicklung eine durchschnittliche Projektlaufzeit von sieben bis acht Monaten an, bis die Maschine einsatzbereit in der Halle des Kunden steht. Es ist noch nicht lange her, da wurde für solche Projekte doppelt so viel Zeit veranschlagt. Die wachsende Geschwindigkeit verändert nahezu alles: Planungsvorgaben, Fertigungsablauf, Finanzierungsmodalitäten und die Zusammenarbeit aller an einem Projekt Beteiligten. Sie muss heute in viel engerer Abstimmung stattfinden.

· Wird denn die Kurventechnik auch in 20 Jahren noch die Basis Ihrer Automatisierungslinien stellen?

Pfuderer: Vor 30 Jahren hätte ich gesagt: Ja, die Kurve wird es immer geben. Vor 20 Jahren, als pneumatische Antriebe immer verbreiteter wurden, wurde ich etwas unsicher die Zukunft der Kurventechnik betreffend und begann an ihren Perspektiven zu zweifeln. Heute sehe ich ihre Bedeutung differenzierter: Die Kurventechnik ist eine Komponente in einem Baukasten diverser Funktionskomponenten, die bedarfsorientiert zum Einsatz kommen. Aber die Kurve ist eine sehr effiziente Technik, wie beim Automobil die Nockenwelle – und darin liegt eine wesentliche Stärke dieses Antriebsprinzips. Deshalb denke ich heute: Sie wird auch in 20 Jahren eine Rolle spielen, aber wie bedeutend diese sein wird, kann man nicht sagen. Dazu schreiten technische Entwicklungen, und das neue Potenzial, das sie bieten, viel zu schnell voran.

· Bei anderen Firmen gab es mit dem Eintritt einer neuen Familiengeneration stets frischen Wind. Welche Impulse setzen ihre Söhne?

Pfuderer: Nun, aus dem Sondermaschinenbauer wurde ein Anbieter von modularen Lösungen für die Automation. Die Pfuderer Maschinenbau begann sich intensiv mit der Modultechnik zu beschäftigen und realisierte 1996 für Siemens ein erstes Grundmodul mit Handlingen. Wir liefern heute funktionsfertige Lösungen für die Montage- und Prozessautomation, standardisierte Grundmodule sowie Montage- und Prozessmodule für die Automation von kleinen Baugruppen. Dabei stützen wir uns auf unsere Entwicklungskompetenz für funktionale, mechatronische Module.

· Der Generationswechsel in einer Firma ist ja oft nicht ganz reibungsfrei: Was hat Sie bei der Übergabe der Geschäfte an Ihre Söhne überrascht?

Pfuderer: Als Gründergeneration ist man bei diesen Nachfolgethemen gleichermaßen von Rührung und Zuversicht geprägt. Zum einen wünscht sich jeder Mensch, der etwas aufgebaut hat, es innerhalb seiner Familie weiterzugeben. Heute führen meine Söhne Martin und Markus die Geschäfte von Pfuderer. Unterstützt werden sie durch Jörg Leonberger. Ich freue mich darüber, dass die Nachfolge so geregelt ist. Aber natürlich bin ich manchmal immer noch in Gedanken bei den Entwicklungs-Konstrukteuren und dem gesamten Betrieb. Auf jeden Fall ist es für mich heute beruhigend, dass meine Nachfolger mit einer erfahrenen Mannschaft und einem gefestigten Maschinenprogramm in die Zukunft gehen können.

· Wie schwierig war die Ausrichtung der Produktpalette in Richtung Standardmodule und Mechatronik?

Pfuderer: Wie aus meinen beiden vorherigen Antworten hervorgeht, bin dafür nicht mehr ich, sondern sind meine Söhne jetzt die Experten. Aber wie bei jeder Fortentwicklung und zukunftsorientierten Ausrichtung sind „Konsequenz" und „ Kontinuität" die Schlüsselworte für ein erfolgreiches Voranschreiten. Schwierigkeiten oder unvorhergesehene Probleme stellen sich in einem Prozess immer irgendwann und auch immer wieder ein. Wichtig ist, sie konstruktiv einzubinden. Um es kurz zu sagen: Selbstverständlich war die Ausrichtung nicht einfach, aber wir haben sie Schritt für Schritt gut umgesetzt und tun es noch. Die Entwicklung mechatronischer Module befindet sich am Anfang. Hier sehen wir noch enormes Potenzial für uns und generell für den Anlagenbau. ab

Pfuderer Maschinenbau GmbH www.pfuderer.de

Modulare Lösungen ersetzen den Sondermaschinenbau

29.10.2010


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