„Deutschland im Fokus"
· Was war der Hauptzweck der Fusion von Yaskawa und Motoman?
Stern: Prinzipell ging es uns darum, die Kräfte der beiden Yaskawa-Unternehmen zu bündeln. Durch die Vereinigung verfügen wir jetzt europaweit über eine noch bessere Vertriebs- und Support-Infrastruktur, die uns eine erweiterte räumliche Nähe zu Kunden und Märkten garantiert. Darüber hinaus haben unsere Kunden nun die Möglichkeit, auf ein sehr breites Produktportfolio zuzugreifen – und das aus einer Hand. Durch die sich ergebenen Synergien können wir bisher nicht genutzte Potenziale ausschöpfen.
· Es geht also nicht um Kosteneinsparung und Personalabbau?
Stern: Natürlich sehen wir Synergien insbesondere im ‚Back Office'-Bereich bei den Landesorganisationen. Allerdings führt das nicht zu Personalabbau, sondern vielmehr zu besserem Kundenservice für die jetzt breitere Produktpalette. In den anderen Bereichen investieren wir gerade massiv in Personal und suchen Mitarbeiter: Applikationsingenieure ebenso wie Produktmanager und Vertriebsexperten sowie Mitarbeiter auf der Managementebene. Denn für eine verstärkte Kombination unserer Produkte gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten; nun brauchen wir auch die Ressourcen, um das umzusetzen.
· An was denken Sie konkret bei der Kombination der Produktlinien?
Seitz: In der heutigen Automatisierung gibt es fließende Übergänge zwischen Robotik und der allgemeinen Antriebstechnik, denn Roboter arbeiten ja nicht im luftleeren Raum. Produkte müssen zugeführt, abgenommen oder bearbeitet werden. Im Bereich Spritzgießmaschinen können wir etwa sowohl die Roboter als auch für das schnelle Be- und Entladen die passende Linearmotortechnologie anbieten. Zudem werden bei Robotern auch Nebenachsen für den Prozess benötigt, zum Beispiel um beim Schweißen ein Werkstück zu heben, damit es vom Roboter bearbeitet werden kann. In Kürze werden wir hier eine integrierte Lösung vorstellen, nämlich dass eine einzige Steuerung alle Bewegungsachsen kontrolliert.
· Wie sind Ihre Pläne für Deutschland?
Stern: Während wir in einigen europäischen Ländern deutlich zweistellige Marktanteile haben, ja in einigen Ländern sogar Marktführer sind, sind wir in Deutschland beim Marktanteil noch im einstelligen Bereich, was Drives und Motion betrifft. Als mittelfristiges Ziel peilen wir in Deutschland bei Servos und Umrichtern die 10 Prozentmarke an. Andererseits haben wir Deutschland besonders im Fokus, da dies der wichtigste Markt in Europa ist.
· Mit welchen Alleinstellungsmerkmalen wollen Sie bei Drives und Motion die Kunden überzeugen?
Stern: Die Qualität der Yaskawa-Produkte ist legendär und sorgt für Langlebigkeit und Sicherheit im Betrieb. Aber auch bei den Gerätefunktionen können wir interessante Features aufweisen: Unser Sigma 5 – Servo bietet zum Beispiel spezielle Algorithmen, um Schwingungen zu unterdrücken und Einschwingvorgänge zu optimieren. Mit der eingebauten automatisierten Inbetriebnahme und der automatischen Adaption lässt sich der Sigma 5 einfach und schnell auf verschiedene Last- und Applikationsverhältnisse einstellen.
· Und welche Innovationen sind bei Drives und Motion in der Pipeline?
Stern: Ein besonderes Augenmerk hat bei uns das Thema ‚Green Energy'. Hier arbeiten wir an verschiedenen Produkten, die über unser klassisches Portfolio der Antriebstechnik hinausgehen werden. Auch das Thema sensorloses Positionieren mit Frequenzumrichtern ist ein wichtiges Projekt. Produktneuheiten zu den Themen werden wir im Herbst auf der SPS/IPC/Drives vorstellen.
· Welche Themen und Märkte Branchen gehen Sie im Bereich Robotik an?
Seitz: Aus der Historie heraus sind wir sehr stark im Schweißen und in der Automobilindustrie. Hier werden wir verstärkt Applikationen im Handling, Picking-Packing-Palletizing und Bonding anbieten. Zudem wollen wir Branchen in der General Industrie angehen: Von der Verpackung/Nahrungsmittel über den Bootsbau bis zur Medizintechnik. Für die Produktion von kleinen Schiffen haben wir ein Portal zum Fräsen des Bootskörpers und in der Medizintechnik schon konkrete Applikationen beim Beladen von Medizinschränken oder Zentrifugen.
· Welche Rolle spielt etwa die Kooperation mit Siemens an der Werkzeugmaschine?
Seitz: Wir haben strategische Partner in vielen Bereichen. Einer ist eben Siemens, mit dem wir ein Interface zwischen Robotern und Siemens CNC-Maschinen entwickelt haben. Das ist eine echte Plug-and-Play-Lösung, im Vergleich mit Produkten anderer Hersteller. Wir sind der einzige Roboterhersteller, der über die Sinumerik-Steuerung auch den Roboter steuern lassen kann. Dies wird vielen Kunden mit Siemens CNC-Maschinen den Einstieg in die Roboter-Automation erleichtern.
· Welche Vorteile reklamieren Sie generell im Bereich Robotik für sich?
Seitz: Wir haben die breiteste Produktpalette, die am Markt zur Zeit angeboten wird. Nehmen Sie nur unsere Sieben-Achs-Kinematik – da sind wir weltweit Vorreiter im Markt. Oder unseren Serviceroboter Smartpal. Zudem verfügen wir als weltweite Nummer eins auch über das notwendige Know-how, selbst die schwierigsten Kundenprobleme zu lösen.
· Wo rechnen Sie sich mit dem Service-Roboter Smartpal Chancen aus?
Seitz: Service-Robotik ist sehr interessant, wenn man sich die demografische Entwicklung ansieht. Zudem können Service-Roboter für den Menschen gefährliche Aufgaben übernehmen, etwa bei Arbeiten im Kernkraftwerk oder mit Starkstrom. Der auf der Automatica gezeigte Service-Roboter Smartpal hat verdeutlicht, wozu Yaskawa in der Lage ist.
· Aber sind das denn nicht in erster Linie Technologiestudien?
Seitz: Wir sind über den Punkt einer reinen Technologiestudie schon hinaus. Der Smartpal ist in seiner Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten und bald einsatzbereit. Elemente wie die Dualarm-Technik des Smartpal haben wir zum Beispiel seit Längerem in unseren SDA-Roboter übernommen. Wir nutzen also neueste Entwicklungen sofort, um sie unseren Kunden zu Nutze zu machen. Dadurch sind wir in der Lage, mehr und umfangreichere Probleme lösen zu können. Die Service-Robotik bedarf jedoch nicht nur hoch entwickelter Roboter, es bedarf auch einer Akzeptanz in der Bevölkerung, die diese Technologie nutzen soll. Hier werden noch einige Jahre vergehen, bis die Akzeptanz groß genug für einen breiten Einsatz sein wird. – Wir von Yaskawa werden dann jedoch mit den richtigen Robotern bereit stehen!
Yaskawa Europe GmbH www.yaskawa.eu.com
