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Interview mit Heinz Gerteiser, Leiter Robotics Central Europe, ABB Automation GmbH

„Wir verweben Roboter, SPS und Antrieb eng miteinander"

Seit Anfang 2006 ist Heinz Gerteiser als Leiter für die ABB-Roboter in Zentraleuropa verantwortlich. Davor war er bereits drei Jahre lang Geschäftsführer der ABB Robotics GmbH in Friedberg. Der studierte Wirtschaftsingenieur (TU Karlsruhe) begann seine Karriere 1990 bei ABB in der Schweiz
Seit Anfang 2006 ist Heinz Gerteiser als Leiter für die ABB-Roboter in Zentraleuropa verantwortlich. Davor war er bereits drei Jahre lang Geschäftsführer der ABB Robotics GmbH in Friedberg. Der studierte Wirtschaftsingenieur (TU Karlsruhe) begann seine Karriere 1990 bei ABB in der Schweiz
Für die Zukunft arbeitet ABB an ganzheitlichen Hybrid-Robotersystemen, so dass künftig für Lackieren, Kleben und Handling nur noch ein einziger Typ benötigt wird. Gerteiser: „Wir denken an einen Roboter, der ideal geeignet ist für Abdichtung und Kleben aber auch fürs Lackieren. Vereinfacht dargestellt nehmen wir dafür den Sockel eines Handlingroboters und den Oberarm eines Lackierroboters. Das Beste aus beidem ist noch besser für beides – und bietet noch Vorteile in Richtung Einheitlichkeit.
Für die Zukunft arbeitet ABB an ganzheitlichen Hybrid-Robotersystemen, so dass künftig für Lackieren, Kleben und Handling nur noch ein einziger Typ benötigt wird. Gerteiser: „Wir denken an einen Roboter, der ideal geeignet ist für Abdichtung und Kleben aber auch fürs Lackieren. Vereinfacht dargestellt nehmen wir dafür den Sockel eines Handlingroboters und den Oberarm eines Lackierroboters. Das Beste aus beidem ist noch besser für beides – und bietet noch Vorteile in Richtung Einheitlichkeit."
Warum ABB Robotics mehr ist als der nackte Roboter, in welchen Bereichen man schon vorkonfigurierte Applikationspakete geschnürt hat und warum Offline-Programmierung ein strategisches Thema ist, verrät Heinz Gerteiser, Leiter Robotics Central Europe bei ABB Automation, im Interview mit der Automationspraxis.

· Was spricht für ABB Roboter? Warum sollte ein deutscher Mittelständler ausgerechnet bei Ihnen kaufen?

Gerteiser: Um ganz ehrlich zu sein: Über 90 Prozent aller Anwendungsfälle kann man mit quasi jedem Hersteller abdecken. Der nackte Roboter ist heute Commodity, Unterschiede gibt es höchstens, wenn es um spezielle Prozesse geht. ABB etwa hat eine starke Stellung bei Dispensing-Themen wie Kleben und Versiegeln. Im Großen und Ganzen kann man sich aber mit dem nackten Roboter kaum noch unterscheiden, das sehen auch die Kunden so. Deshalb ist der Unterschied zwischen uns und den anderen: Erstens das weltweit größte Service-Netz und zweitens unser Leitsatz: ABB ist mehr als nackte Roboter.

· Meinen Sie damit die Applikationspakete, die Sie schnüren?

Gerteiser: Ja, auch. Aber es geht um mehr. Unsere Vertriebsleute sprechen Applikationssprache. Sie reden mit dem Kunden über seine Gießerei und seine Entnahmenmaschine und nicht nur über Roboterreichweiten. Es geht darum, den Gesamtprozess zu optimieren. Daher haben wir unsere Vertriebsleute auch nach Segmenten organisiert.

· Braucht man denn nur den Vertriebsmann oder auch entsprechende Produkte?

Gerteiser: Nehmen Sie die Kunststoffindustrie. Die Maschinenbediener benötigen dort einfach zu bedienende, grafische Oberflächen. Zudem müssen die Kunden nicht nur Handling- und Entnahme-Vorgänge abdecken, sondern auch einen Lackier- oder Klebeprozess. Sie haben also mehrere Prozessschritte, die sie in einer Anlage synchronisieren müssen. Wir behalten dabei einen ganzheitlichen Blick und beraten den Kunden, anstatt ihm nur Roboter zu verkaufen.

· Machen Sie das für jeden Kunden individuell oder packen Sie das Ganze in standardisierte Pakete?

Gerteiser: Jein. Natürlich würden wir solche Projekte gerne einmal umsetzen und dann Tausend mal verkaufen. Das funktioniert natürlich so nicht. Aber wir versuchen bei Entwicklungen, die wir übrigens fast zu 100 Prozent nur noch gemeinsam mit Kunden durchführen, mit der Lösung etwa 80 Prozent des Marktes abzudecken.

· Zu welchen Themen haben Sie schon solche Standardpakete geschnürt?

Gerteiser: Wir haben natürlich Einiges in unserem angestammten Gießerei-Bereich gemacht. Ebenso bei den Themen Nahtabdichten und Kleben – zumal es zwischen den beiden Bereichen viele Synergien gibt. Denn es ist nicht wirklich entscheidend, ob aus einer Düse Kleber oder PVC herauskommt. Zudem haben wir ein Komplettpaket für den Plastikprozess, schnüren Pakete beim Lichtbogenschweißen und gehen auch den Bereich Lebensmittel/Pharma an. Weiterhin sind wir stark in der Windindustrie unterwegs, also die Rotorblattfertigung: Lackieren, Schleifen, Reinigen.

· Wieviel Umsatz machen Sie mit bereits jenseits der Automotive-Sparte, also in der General Industry?

Gerteiser: Eine Aussage hierzu ist letztlich eine reine Marketing-Aussage, weil es gerade schick ist, den Anteil der General Industry positiv darzustellen. Zugegebenermaßen lässt sich das gar nicht so genau trennen, weil natürlich viele Produkte aus den Bereichen Kunststoff oder Gießerei letztlich im Auto landen. Wenn man ehrlich ist, bleibt der Automobilbereich – direkt und indirekt – immer noch dominierend.

· Und wie profitieren Sie vom Gesamtkonzern ABB?

Gerteiser: Bei uns werden Roboter, Antriebe und SPS eng miteinander verwoben: Das Zusammenwirken der Einzelteile soll so für den Kunden einfacher sein, als wenn er einen Roboter, SPS und Antriebe von unterschiedlichen Herstellern bezieht. Je nach Anwendung brauchen Sie so unter Umständen gar keine Highend-Robotersteuerung mehr, da für einfache Handling-Aufgaben eine SPS genügt. Und eine SPS programmieren kann in der Praxis jeder, Roboterprogrammierer finden Sie schon deutlich seltener. Die enge Integration wird auch deshalb stärker Thema, weil man mehr offline erledigen will. Wenn die verschiedenen Teile harmonisiert sind, passt das besser zusammen.

· Ist diese Integration in Richtung Offline-Programmierung für Sie also ein strategisches Thema?

Gerteiser: Wir haben bei ABB Robotics von Anfang an sehr viel Wert gelegt auf Software und Simulations-Tools. Stichwort Robot-Studio. Die Kunden waren zwar am Anfang noch etwas zögerlich, mittlerweile reden die Automobilhersteller aber auch von der digitalen Fabrik: Und das ist ja quasi das Gleiche. In Zukunft wird man gerade im Automobilbereich an dem Thema Offline auch gar nicht mehr vorbei kommen. Denn hier muss Ruckzuck eine neue Linie aufgebaut und innerhalb von wenigen Tagen hochgefahren werden. Problematisch ist es, wenn etwa die Lackierkabine nicht läuft. Unser Vorteil: Wir machen die Off- line-Programmierung nicht mit einer speziellen Software, sondern bei uns wird mit dem Original-Controller simuliert.

ABB Automation GmbH www.abb.de/robotics

Offline-Programmieren ist zukünftig Pflicht im Automobilbereich

31.03.2011


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