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Interview mit Joachim Melis, Geschäftsführer der Adept Technology GmbH

„Der e-Vario öffnet uns neue Märkte"

Welche Herausforderungen die Lebensmittelindustrie für die Robotik birgt und wie Adept mit Scara-Kampfpreisen jetzt klassische Handling-Lösungen attackiert, erläutert Adept-Geschäftsführer Joachim Melis im Gespräch mit der Automationspraxis.

· Warum hinkt die USA bei der Robotik Deutschland und Japan hinterher?

Melis: Schwer zu sagen, aber in den USA ist der Fertigungsbereich wohl in den letzten Jahren unterschätzt worden. Sehr viele Hersteller haben Ihre Produktionen aus Kostengründen nach Asien verlagert. Mittlerweile gibt es aber in den USA einige – auch vom Staat geförderte – Aktivitäten, um Produktionen zurückzuholen.

· Waren deutsche Firmen also schlauer, dass sie nicht gleich mit fliegenden Fahnen ihre Produktion nach Asien verlagert haben?

Melis: Europäer sind grundsätzlich konservativer in ihrem Änderungsverhalten als die Amerikaner. Europäische Firmen wollen eher nachhaltig etwas aufbauen. Und gerade in Deutschland ist ja auch sehr viel im Bereich der Automationstechnologie entwickelt worden.

· Unabhängig von solchen Standort-Debatten: Was sind für Sie derzeit Wachstumsthemen?

Melis: Die Lebensmittelbranche setzt zur Zeit verstärkt auf Automatisierung. Mit unserem neuen von der USDA anerkannten Adept Quattro s650HS bieten wir eine gute Lösung, um die hohen Hygienestandards der Industrie zu erfüllen, etwa beim Frischfleisch- und Frischwaren-Handling. In Frankreich werden bereits Sardinen-Filets und in Italien Mozzarella-Käse mit unserem Quattro verpackt.

· Wie schwierig ist es, eine solche USDA-Zertifizierung zu erreichen?

Melis: Wir hatten zusammen mit Kunden die Idee, einen Roboter zu bauen, der den aggressiven Reinigungsmedien widersteht. Also haben wir eine bestehende Maschine in einem solchen Produktionsbereich platziert. Da findet man recht schnell seine Schwachpunkte. Teilweise werden die Komponenten ja sogar in erhitzte Reinigungslösung getaucht, um Bakterien abzutöten. Da merkt man recht schnell, ob die gewählten Ansätze in Sachen Beschichtungen das halten, was sie versprechen. Parallel arbeitet man beim Design mit den Zertifizierungsbehörden zusammen: Die Geräte müssen abgerundet gebaut und Schrauben so strukturiert werden, dass sich dahinter keine Bakterien sammeln können.

· Wieviel mussten Sie dafür bei ihren Produkten ändern?

Melis: Wir mussten von der Engineering-Seite eine Liste von 25 Punkten abarbeiten. Diese Änderungen sind zum Teil in andere Serienprodukte mit eingeflossen. Die lebensmitteltaugliche Beschichtung etwa haben wir nun als Standard für alle Adept-Quattro-Roboter übernommen.

· Und Ihr Roboter ist tatsächlich als einziger von der USDA zertifiziert?

Melis: Es gibt war USDA-zertifizierte 6-Achs-Roboter auf dem Markt, aber keinen anderen Parallel-Roboter. Andere Hersteller bauen Parallel-Roboter aus Edelstahl und sehen sich damit auf der sicheren Seite – aber eine Zertifizierung gibt es dafür nicht.

· Gas geben Sie auch mit dem e-Vario. Warum ist der Einsteiger-Scara eigentlich so günstig?

Melis: Wir haben einige Kosten reduziert, in dem wird etwa die Antriebe und Getriebe abgespeckt haben. Die Maschine macht so etwa 70 bis 75 Prozent des Durchsatzes des Vergleichsprodukts. Aber wenn ich mir das Preisgefüge ansehe, gebe ich zugegebenermaßen mehr an die Kunden weiter, als ich tatsächlich eingespart habe. Wir betrachten das Gerät als Instrument, um Marktzugang zu neuen Bereichen zu bekommen, wo Kunden sich bislang für ein klassisches Linear-Achssystem entschieden haben, da ihnen eine Roboterlösung zu teuer war.

· Wem wollen Sie mit dem e-Vario Konkurrenz machen?

Melis: Kunden kaufen sich bislang vom Lieferanten eine Linearachse, adaptieren einen Motor und eine Steuerung und bauen daraus ein Handling. Dabei werden aber meist nur die Komponentenkosten gerechnet und nicht die Engineering-Kosten, die Konstruktionsarbeit des Betriebsmittelbaus und die Zeit der Inbetriebnahme. Oft heißt es vom Kunden: Für mich ist der Roboter ein Overkill. Mit Preisen von 11 000 bis 13 000 Euro zieht das Argument heute nicht mehr.

· Sie haben früh angefangen, Vision-Technologie mit der Robotik zu integrieren. Wo sehen Sie dabei noch Chancen?

Melis: Ein interessanter Ansatz ist beispielsweise die 3D-Bildverarbeitung, mit der ich nicht nur die Position ermitteln kann, sondern auch Höheninformationen erhalte. Damit kann ich in der Qualitätskontrolle prüfen, ob eine Praline wie gefordert eine Nuss trägt oder nicht. Eine dunkle Nuss auf dunklem Untergrund kann ich aufsichtig nicht gut erkennen. Sinnvolle Ansatzpunkte gibt es auch für Grading-Anwendungen.

· Inwiefern?

Melis: Wenn Sie im Supermarkt eine 200-Gramm-Packung mit sechs Würstchen kaufen, sind da wahrscheinlich 215 Gramm drin, weil der Hersteller auf Nummer sicher geht. Daher versucht er, das Gewicht der einzelnen Produkte möglichst genau zu bestimmen und diese möglichst intelligent zu verpacken, so dass der Überschuss minimiert wird. Der Hersteller kann so viel Geld einsparen.

· Und wo gibt es noch weitere interessante Ansätze für die 3D-Technik?

Melis: Im Supermarkt kaufen Sie Äpfel erster, zweiter und dritter Wahl – die aber meist aus dem gleichen Pflückbetrieb stammen und auch in der gleichen Anlage verpackt werden. Am Ende stehen dort bislang noch Personen, die die Äpfel mit Ihrer Erfahrung nach Güte beurteilen und sortieren. Das schreit förmlich nach Automatisierung.

Adept Technology GmbH www.adept.de

Roboter konkurriert mit klassischen Linear-Achssystemen

Lebensmittelbranche setzt verstärkt auf Automatisierung

31.08.2010


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