„Roboter wird mehr und mehr zum Assistenten des Werkers"
· Was erwarten Sie für die Automatica 2010?
Schneider: Wir rechnen mit einer sehr erfolgreichen Automatica, denn sie kommt genau zum richtigen Zeitpunkt – nach wirtschaftlich schwierigen Zeiten werden sich allmählich die Innovationsstaus lösen. Das spiegelt sich auch im Anmeldestand wider: Es werden 2010 rund 700 Aussteller in vier vollen Hallen und damit auf 44 000 Quadratmeter Bruttoausstellungsfläche den erwarteten 30 000 Fachbesuchern ihre Innovationen und Lösungen präsentieren.
· Die Automatica ist ja die weltgrößte Robotik-Messe. Wie weit sind Sie bei der Integration von anderen Automatisierungs-Themen wie Montagetechnik, Vision oder Sensorik?
Schneider: Alle Keyplayer der Branche sind präsent, und wir haben erneut im Bereich Robotik das weltweit größte Angebot. Auch die Kernbereiche Montage- und Handhabungstechnik sowie Industrielle Bildverarbeitung sind breit aufgestellt, dabei mit einer besonderen Stärke im Systemgeschäft. So freuen wir uns, dass wir mit Blick auf den Sondermaschinenbau in Europa das breiteste Angebot überhaupt vorweisen können. Aber wir konnten auch in Bereichen wie Sensorik oder Antriebtechnik zulegen. Zudem investieren wir nach wie vor konsequent in die Internationalisierung unserer Messe und konnten so 2010 auch den Anteil internationaler Aussteller steigern – etwa mit Ausstellern aus Korea, Frankreich, Portugal oder Polen.
· Und was werden die Highlights der Automatica 2010?
Brodtmann: Die wichtigsten Branchentrends werden im Automatica Forum im Rahmen von Vorträgen und Podiumsdiskussionen vorgestellt. Ganz spannend wird zudem das Thema Servicerobotik, das in einer eigenen Sonderschau greifbar macht, wie weit diese Technik heute schon ist. Ein Highlight aber, das sich wie ein roter Faden durch die ganze Messe zieht, ist Green Automation.
· Was verstehen Sie darunter?
Brodtmann: Das Thema zeigt sparsame Automatisierungstechnik ebenso wie Automatisierungslösungen zur wettbewerbsfähigen Herstellung von ressourceneffizienten Produkten. Der Besucher erkennt dies durch eine deutliche Markierung an den Messeständen direkt. Auch eine völlig neuartige Roboterkinematik wird öffentlichkeitswirksam im Rahmen einer Sonderschau der Green Automation präsentiert. Dieser Seilroboter ist in der Lage, Solarspiegel in großer Zahl zu installieren beziehungsweise zu warten und zu reinigen. Solche Überlegungen spielen beim Desertec-Projekt natürlich eine wichtige Rolle.
· Aber fast jede Messe wirbt derzeit mit Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Laufen Sie nicht Gefahr, die Besucher zu langweilen?
Brodtmann: Spannend ist eben, dass wir auf der Automatica das Thema aus zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Zunächst wollen wir zeigen, dass Automatisierungssysteme heute weniger Energie verbrauchen und sparsamer mit Material umgehen. Es lohnt sich folglich, jetzt in moderne Produktionsmittel zu investieren. Um zu zeigen, dass sich Automatisierungstechnik auch betriebswirtschaftlich rechnet, präsentieren wir als VDMA Robotik und Automation exklusiv ein Tool zur Berechnung der Lebenszykluskosten. Der andere Blickwinkel ist eben die Rolle der Robotik und Automation als Enabler „grüner" Produkte. Die Elektromobilität leistet nur dann einen fühlbaren Beitrag zur CO2-Reduzierung, wenn sie bezahlbar wird und damit die erforderliche Verbreitung findet – und das hängt stark von Automatisierungstechnik ab. Auch die Energiegewinnung aus der Sonne kann nur durch Automatisierung wettbewerbsfähig werden.
· Was werden die bestimmenden technologischen Trends?
Brodtmann: Aus der Fülle der gezeigten Innovationen einige wenige auszuwählen, ist natürlich etwas willkürlich. Mit Sicherheit wird die Art und Weise, in der Mensch und Maschine in einem gemeinsamen Arbeitsraum interagieren, ein „heißes" Thema sein. Einerseits wird Automatisierungstechnik immer einfacher bedienbar, andererseits fallen die starren räumlichen Trennungen zwischen Mensch und Maschine. So wird der Roboter zum Assistenten des Werkers. Weitere Themen sind natürlich Modularisierung, Flexibilität, erhöhte Leistungsfähigkeit und die Vernetzung von einzelnen Anlagen in die Gesamtsteuerung und -planung.
· Lebensmittel/Verpackung, Medizintechnik und Solartechnik sind die Hoffnungsträger der Automatisierer: Wie sprechen Sie diese Branchen an?
Schneider: Die Solarbranche ist ein wichtiger Wachstumsmarkt. Und in diesem Bereich werden wir die Synergien mit der Intersolar, die schon 2008 parallel zur Automatica stattgefunden hat, noch besser nutzen. Aber wir sprechen natürlich auch andere Branchen wie Verpackung, Lebensmittel oder Medizintechnik gezielt an. So haben wir im Vorfeld aktiv die Besucher mit wirtschaftlichen und technischen Trends ihrer Branchen durch eine Automatisierungsbroschüre informiert. Diese Branchenorientierung zieht sich bis hin zu unserem Vortragsprogramm, das auch Branchenthemen aufgreift. Neben dem Interesse an Wachstumsmärkten darf man aber nicht vergessen, dass Automotive und die Metallverarbeitende Industrie nach wie vor besonders wichtige Anwendungsfelder für Robotik und Automation sind. Denn auch dort lösen sich die Innovationsstaus.
· Nachholbedarf in Sachen Automatisierung hat gerade der Mittelstand: Wie wollen Sie den überzeugen?
Brodtmann: Die Geschichte der Robotik begann in der Automobilindustrie. Dort haben relativ starre Fertigungsumgebungen die ersten Gehversuche und schließlich den Siegeszug überhaupt erst ermöglicht. Doch schon bald hat die Robotik andere Einsatzgebiete erobert. So kam zunehmend Intelligenz in die Roboter hinein, sie lernten fühlen, sehen, situativ agieren. Das hat Roboter hervorgebracht, die sich gemeinsam Aufgaben teilen oder solche, die gefahrlos in einem Arbeitsraum mit Menschen interagieren können. Parallel dazu hat sich die Roboterprogrammierung und -steuerung radikal vereinfacht. Nun ist die Zeit gekommen, dass Roboter auch in kleinen und mittleren Betrieben eingesetzt werden. Die Programmierung ist kein „Hexenwerk" mehr, und ein Roboter kann eine ganze Reihe von Tätigkeiten ausführen und ist somit wiederverwendbar.
· Ist der Mittelstand schon soweit?
Brodtmann: Mitunter sind die Entscheider in kleinen und mittleren Betrieben noch zurückhaltend, weil sie sich den Einsatz von Robotern gar nicht recht vorstellen können. Hier sind Hersteller, Verband und Messen gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten. Überzeugend sind vor allem Best Practice Beispiele, die auch in großer Zahl auf der Automatica zu sehen sein werden.
· Als Wachstumsfeld gilt auch die Servicerobotik. Wie kann man das Thema aufgreifen, ohne den Charakter als Business-Messe zu gefährden?
Schneider: Uns interessiert der professionelle Einsatz von Servicerobotik, etwa Produktionsassistenten, Logistikroboter, Sicherheitsroboter, Erkundungsroboter oder Edutainment-Roboter – mit dem Fokus des zusätzlichen Robotereinsatzes in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Allerdings wissen wir, dass wir mit diesem Ausstellungsspektrum teilweise eine neue Zielgruppe ansprechen und uns auch an andere Branchen, an Forschungseinrichtungen oder an Krankenhäuser wenden müssen. Deswegen war es uns wichtig, ein Format zu finden, das dieser Interessenslage gerecht wird: und das ist die „ Innovationsplattform Servicerobotik", die wir zusammen mit dem Fraunhofer IPA 2010 bereits zum dritten Mal erfolgreich umsetzen. Es hat sich gezeigt, dass es gerade bei der Servicerobotik wichtig ist, die Aspekte der Grundlagenforschung mit zu betonen. Denn dort werden auch neue Impulse für die Industrierobotik gewonnen. ab
Automatica 2010 www.automatica-munich.com
„Automatica legt bei Sensorik und Antriebstechnik zu"
„Green Automation zieht sich durch wie ein roter Faden"
