„In vielen Fällen werden Scaras ihren Platz behaupten"
· Was kann Epson als Roboterhersteller besonders gut?
Spanier: Für uns spricht unter anderem die Erfahrung der eigenen Anwendung. Denn wir sind nicht nur Roboterhersteller, sondern bauen selber Elektronik-Produkte für Konsumer und Automobil-Zulieferer. Unsere Roboter sind vor rund 30 Jahren aufgrund eigener hoher Anforderungen in Sachen Präzision und Geschwindigkeit entwickelt worden. Wir kennen daher die Anforderungen im täglichen Betrieb und spüren am eigenen Leib, welchen Wert Zuverlässigkeit, Wartungs- und Servicefreundlichkeit haben. Da uns viele große Firmen seit über 20 Jahren die Treue halten, liegen wir wohl nicht so falsch.
· Ihr Kerngeschäft sind Scara-Roboter: Sind die heute noch zeitgemäß?
Spanier: Viele behaupten, der Scara sei auf dem absteigenden Ast, weil man heute einen Sechsachser quasi zum gleichen Preis kaufen kann – und der biete dann sogar noch zwei Freiheitsgrade mehr. Aber aufgepasst! Hier gilt das alte Prinzip: Was nicht dran ist, kann nicht kaputt gehen. Beim Scara existieren deutlich weniger bewegte Teile als bei einem Sechsachser. Und ein Scara ist zudem schneller und genauer, zumal bei der Montage oft nur Teile von einer Palette aufgenommen und anderswo eingesetzt werden müssen.
· Wird der Scara seine Stellung auch in Zukunft halten können?
Spanier: In Sachen Geschwindigkeit und Präzision haben die Sechsachser tatsächlich aufgeholt, das sieht man auch an unserem neuen Modell C3. Aber beim Sechsachser gibt es von allem etwas mehr: Mehr Teile, die ausfallen können, mehr Freiheitsgrade, die ich sehr oft bei Handlingaufgaben nicht brauche, und mehr Einschränkungen wie Singularitäten. Auch die Programmierung ist etwas komplizierter, da es zum Beispiel aufgrund der vielen Achsen und Bewegungsmöglichkeiten auch mehr Kommandos gibt. In vielen Anwendungen wird der Scara daher weiterhin große Vorteile bieten und seinen Platz behaupten.
· Warum haben Sie dann trotzdem Sechsachser ins Programm genommen?
Spanier: Es gibt Anwendungen, bei denen man einfach einen Sechsachser braucht. So konnten wir in der Vergangenheit Kunden keine Lösung aus einer Hand anbieten, sobald eine kombinierte Linie aus Scaras und Sechsachsern benötigt wurde. Daher haben wir unsere Produktpalette mit Sechsachsern erweitert. Als Bonus haben wir dank unseres neuen Angebotes auch ganz neue Kunden gewonnen, zu denen wir alleine mit Scaras bisher keinen Zugang hatten.
· Wieviel Umsatz machen Sie mit den Sechsachsern heute?
Spanier: Mit den Sechsachsern bestreiten wir aktuell etwa 15 Prozent unseres Umsatzes – mit steigender Tendenz. Deshalb werden wir auch unser Portfolio an Sechsachsern weiter ausbauen und durch Maschinen mit größerer Reichweite ergänzen. Der Rest läuft – abgesehen von einem geringen Anteil Linearmodule – mit unseren Scaras, wozu ich auch den Epson Spider zähle, einen Scara mit neuartiger Geometrie.
· Was ist so neu am Spider?
Spanier: Beim herkömmlichen Scara ist die zweite Achse oberhalb der ersten angebracht, die sich um einen feststehenden Sockel dreht. Daher gibt es in der Mitte immer eine Totzone. Beim Umschwenken muss der traditionelle Scara aufgrund der Totzone immer einen langen Weg fahren. Beim Spider liegt die erste Achse unterhalb der zweiten – es existiert keine Totzone mehr und der Roboter fährt deshalb sehr kurze Wege bei geringem Platzbedarf. Das ist vor allem beim Palettieren ein Riesenvorteil: Ich kann große rechteckige Paletten komplett abarbeiten, der Roboter selbst benötigt aber nur einen sehr geringen Einbauraum.
· Und wie ist die Resonanz?
Spanier: Die Nachfrage explodiert förmlich. 15 Prozent aller verkauften Roboter waren im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits Spider. Und in der Projektliste liegt diese Kinematik bereits bei 30 Prozent. Viele Kunden, die bislang Delta-Kinematiken eingesetzt haben, schwenken hier um. Denn Deltas besitzen eben nicht die Genauigkeit des Scara.
· Stechen bestimmte Anwendungsfelder besonders heraus?
Spanier: Im Prinzip kann es beim Palettieren um alles Mögliche gehen: Metallteile, Elektronik, Kunststoffteile oder Kosmetik. Aber einen besonderen Trend sehen wir derzeit in der Solarbranche. Solarwafer sind sehr empfindlich, Überschwingen am Zielpunkt verursacht Mikrorisse, die die Panels beschädigen. Beim Spider-Scara ist das Überschwingen aufgrund seiner Genauigkeit viel geringer. Er verfährt bei vertikalen Bewegungen nur eine Achse, während ein Delta eine interpolierte Bewegung vieler Achsen machen muss.
· Was ist 2011 an Neuerungen von Ihnen zu erwarten?
Spanier: Wir haben unsere Sechsachser-Familie vor kurzem noch einmal vergrößert. Zudem haben wir eine neue Simulationssoftware fertig gestellt. Damit können Sie in einem virtuellen Controller Ihre ganze Anwendung simulieren und bekommen so ein Gefühl für Taktzeiten oder mögliche Kollisionen. 90 Prozent der Programmierung kann so erledigt werden, bevor der erste Roboter überhaupt im Haus steht. Und mittelfristig werden wir unsere auf einer einfachen Hochsprache basierende und daher sehr intuitive Programmierumgebung unter Windows weiter entwickeln: Damit wird in Zukunft eine neue Art der Roboter-Bedienung möglich werden. ab
Epson Deutschland GmbH www.epson.de
Für uns spricht die Erfahrung der eigenen Anwendung
