„Zwei Messen im Süden sind langfristig nicht haltbar"
· Zur Motek 2011 erwarten sie erneut rund 1000 Aussteller. Mit wie vielen haben Sie denn angefangen?
Schall: Knapp 40. Die Motek war im Ursprung ein Branchentreff, eine Art Familienveranstaltung mit viel persönlichem Kontakt. Auf dieser Basis ist die Messe dann schnell gewachsen. Bei 1000 Ausstellern kann man zwar nicht mehr jeden Einzelnen kennen, aber man versucht natürlich trotzdem weiter, in persönlichen Kontakt zu kommen.
· Haben sich denn die Montageanlagenbauer in den 30 Jahren verändert oder ticken die noch gleich?
Schall: In den ganzen Jahren hat sich die Branche ganz enorm entwickelt und tickt heute deutlich anders. Schauen sie sich nur die Antriebstechnologien an. Damals gab es kaum Pneumatik, die Maschinen wurden noch mechanisch geschaltet. Dann setzte sich die Pneumatik durch – und heute hat sich das alles nochmals verändert in Richtung Mechatronik.
· Woher kam 1981 eigentlich der Impuls zur Motek-Gründung?
Schall: Es gab damals einige Austeller, die mit den vorhandenen polytechnischen Messekonzepten ziemlich unzufrieden waren. Der Markt für Montagetechnik war zudem stärker im Süden vorzufinden. Somit haben wir in Sindelfingen den Grundstein für die erste Fachmesse im Bereich der Produktions- und Montagetechnik-Automatisierung gelegt. Als dann die Sindelfinger Messehalle zu klein wurde, haben wir uns als Messeveranstalter mit dem eigenen Messegelände in Sinsheim endgültig etabliert und später dann für Stuttgart entschieden. Die Motek war bei all diesen Entwicklungen immer der Motor. Unsere anderen Messen wie die Control und die Blechexpo wurden quasi hinterhergezogen.
· Haben Sie den Umzug von Sinsheim nach Stuttgart je bereut?
Schall: Nein, nie. Um die Messen zu entwickeln, war der Standort Sinsheim ideal: Einfach, kompakt, übersichtlich, kostengünstig und nahe an der Autobahn. Mit der Motek und auch der Control ist es uns schon damals gelungen, internationales Publikum nach Sinsheim zu holen. Aber um weiter wachsen zu können und die Messen noch mehr zu internationalisieren, musste natürlich ein Standort wie Stuttgart her.
· Und in Stuttgart fühlen Sie sich nun seit 2007 gut aufgehoben?
Schall: Ja, denn die Region Stuttgart ist die Hochburg der Produktions- und Montagetechnik und damit der Automatisierung. Wir sind also mitten im Markt. Ich habe ohnehin nie verstanden, warum man eine Robotermesse in München aufbauen will. München ist vielleicht der größte europäische Elektronik-Standort, aber sicher kein wichtiges Produktionszentrum. Dafür gibt es ja außer der schwächelnden Automatica noch weitere unrühmliche Beispiele aus dem Bereich Metallbearbeitung.
· Aber die Automatica ist immerhin die weltgrößte Robotik-Schau.
Schall: Das ist ja für das Branchen-Segment so auch in Ordnung, aber wir haben als Motek halt auch viele Roboterhersteller und vor allem Systemhaus-Lieferanten mit an Bord. Und wir haben vor allem auch das unerlässliche Peripherie-Umfeld. So mancher Roboterhersteller präsentiert sich an der Motek eben nicht als reiner Hersteller, sondern als Teil einer Problemlösung, zum Beispiel im Bereich der Bondexpo mit der Klebetechnologie. Wir werden ganz offen mit den Roboterherstellern reden, denn wir wollen die Produktions- und Montage-Automatisierung plus das Industrial Handling natürlich umfassend abbilden – und dazu alle Roboterhersteller als Aussteller mit im Boot haben.
· Welche Größenordnung soll die Motek noch erreichen?
Schall: Wir könnten natürlich noch Randbereiche hereinnehmen, aber das wollen wir nicht. Wir bleiben bei der Automatisierung der Produktion und der Montage und bauen das Umfeld der gesamten Prozesskette des Industrial Handling weiter aus. Mit diesem Fokus könnte eine Halle mehr drin sein, aber dann ist das Thema ausgereizt.
· Neben der Motek buhlen ja auch Hannover Messe und die Automatica um die Automatisierungs-Klientel. Ist dieser Messe-Wettkampf um die gleiche Zielgruppe sinnvoll?
Schall: Der große Bruder in Hannover nahm uns lange nicht ernst und ließ uns über viele Jahre in Ruhe arbeiten. Das hat sich aber verändert, als der VDMA mit dem Fachbereich Robotik und Automation glaubte, sich von Hannover abwenden und in Richtung München orientieren zu müssen. Hinzu kam, dass unser stetiges Wachstum nicht nur Begehrlichkeiten weckte, sondern mit dem Austeilen von Seitenhieben auch ein harter Messekampf begann.
· Wie wird der ausgehen?
Schall: 2012 haben wir wieder Hannover Messe, Automatica und Motek dicht hintereinander. Die Firmen können sich schon aus Kostengründen keine drei Automatisierungsmessen innerhalb eines halben Jahres in Deutschland leisten. Zwei Automatisierungsmessen sind daher langfristig im Süden nicht haltbar. Wie sich das entwickeln wird, muss man abwarten. Der Markt entscheidet.
· Warum geht die Motek nicht einfach auf einen Zweijahres-Rhythmus?
Schall: Die Automatica wurde vom VDMA R + A ja auch deshalb ins Leben gerufen, um die Motek in einen Zweijahres-Rhythmus zu zwingen – das muss man ganz klar so benennen. Aber solange der Markt und nicht ein paar Lobbyisten – die doch nur einen Bruchteil der Branche vertreten – das entscheiden, wird die Motek jährlich stattfinden. Es gibt schließlich sehr viele Aussteller, die mit einem Jahresturnus der Motek sehr wohl leben können und wollen, was man auch den Ausstellerzahlen sieht.
· Und wie lange wollen und werden Sie persönlich sich noch engagieren?
Schall: Solange ich gesund und munter bin, mache ich weiter. Ich lehne mich natürlich etwas mehr zurück als früher. Wenn man 72 ist, muss man nicht so wie früher Berge erstürmen. Und dann sehen wir mal was kommt. Aber ich hab ja auch nicht das Problem der Nachfolge: durch meine Frau ist das geregelt. ab
P.E. Schall GmbH & Co. KG www.schall-messen.de
„Stuttgart ist Hochburg der Produktions- und Montagetechnik"
