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Interview mit Ralf-Michael Franke, CEO der Siemens-Division Drive Technologies

„Digitale Fabrik sorgt für durchgängigen Datenfluss"

Seit April 2011 steht Ralf-Michael Franke als CEO der Siemens-Division Drive Technologies vor. Zuvor war er sieben Jahre lang CEO der Business Unit Industrial Automation Systems – daher steht die digitale Fabrik auch im Zentrum dieses Interviews. Franke studierte Elektrotechnik an der Universität Kassel und ist ist 1985 in der Entwicklung für Antriebstechnik bei Siemens eingestiegen
Seit April 2011 steht Ralf-Michael Franke als CEO der Siemens-Division Drive Technologies vor. Zuvor war er sieben Jahre lang CEO der Business Unit Industrial Automation Systems – daher steht die digitale Fabrik auch im Zentrum dieses Interviews. Franke studierte Elektrotechnik an der Universität Kassel und ist ist 1985 in der Entwicklung für Antriebstechnik bei Siemens eingestiegen
In der digitalen Fabrik muss der Produktdesigner schön früh den Schulterschluss mit dem Produktionsplaner suchen, um die Fertigung und deren Automatisierung parallel vorantreiben zu können
In der digitalen Fabrik muss der Produktdesigner schön früh den Schulterschluss mit dem Produktionsplaner suchen, um die Fertigung und deren Automatisierung parallel vorantreiben zu können
Wie die Fabrik der Zukunft aussieht, welche Rolle Standardsoftware darin spielt und was sich in der Unternehmensorganisation dafür ändern muss – das erläutert Ralf-Michael Franke, langjähriger CEO der Industrial Automation Systems und nun CEO der Division Drive Technologies bei Siemens.

· Wie sieht aus Ihrer Sicht die Fabrik der Zukunft aus?

Franke: Rein äußerlich wird die genau so aussehen wie heute. Denn das, was sich an Durchgängigkeit beim Informationsfluss verändert – von der Produktentstehung über das Design und Engineering der Produktionsumgebung bis zum Betrieb der Anlage –, das spielt sich alles hinter den Kulissen ab.

· Und was verändert sich dann in der Digitalen Fabrik?

Franke: Der wesentliche Punkt ist, dass wir in den Firmenorganisationen funktionsübergreifende Prozesse in den Vordergrund stellen müssen. Schon wenn ich beispielsweise ein Fahrzeug anfange zu designen, muss ich den Schulterschluss mit dem Produktionsplaner suchen, um die Fertigung und deren Automatisierung parallel vorantreiben zu können. Durch die Parallelität entsteht ein konsistentes Datenmodell.

· Wo stehen wir heute auf dem Weg dorthin?

Franke: Wir befinden uns im Jahr eins oder zwei nach Beginn des Weges und haben insgesamt noch mindestens 25 Jahre vor uns. Bis die gerade beschriebene neue Art des Engineerings breit verwendet wird, wird es noch etwa sieben bis zehn Jahre dauern – je nach Industrie.

· Aber über die Digitale Fabrik wird doch schon lange gesprochen. Warum ist der Weg immer noch so lang?

Franke: Die Organisation in den Firmen muss sich eben ändern: IT-Abteilung, Produkt- und Produktionsverantwortliche müssen viel enger zusammenarbeiten. Es gibt heute erst wenige Kunden, mit denen man hier auf Augenhöhe reden kann. Aber klar ist auch: Die Zeit dafür ist nun reif. Die Technologien sind heute da, um die nötige Performance für den Umgang mit den riesigen Datenmengen zu liefern.

· Und wie weit ist die Softwareinfrastruktur gediehen?

Franke: Die Grundarchitektur haben wir in den vergangenen Jahren gelegt. Insofern sind wir – bezogen auf den Entwicklungsprozess der Digitalen Fabrik – schon im Jahr sieben oder acht. Die Architektur baut auf unseren großen Grundplattformen wie Teamcenter auf. Darauf können Sie sich dann das Engineering-System TIA Portal oder die CAD- und PLM-Lösung NX quasi als Plug-in vorstellen. Bei der Integration dieser Plugins sind wir eben unterschiedlich weit.

· Klappt denn die Totally Integrated Automation (TIA) eines Tages auch mit Rockwell, SAP, Mitsubishi und Co?

Franke: Das wird uns von den Kunden mit Sicherheit abverlangt. Und tatsächlich haben wir heute sogar schon erste solcher Anfragen von global aufgestellten Kunden. Mit Automation ML wird es dafür künftig auch eine einheitliche Engineering-Sprache geben. Diese wird momentan stark von der Automobilindustrie getrieben und soll genau einen solchen Kommunikationsstandard beschreiben, mit dem sich bis tief hinein in die Architekturen Daten austauschen lassen.

· Dringt also Software zukünftig noch stärker in die Fabriken ein?

Franke: Ja und nein. Auch heute ist in einer Fabrik schon viel Software im Einsatz, aber eben proprietäre Software. Die Fabrik-Manager wissen daher heute oft nicht, wie sie ein Produkt reparieren können, wenn es ausfällt. Weil niemand mehr da ist, der weiß, was da programmiert wurde. Im Gegensatz dazu reden wir bei der Digitalen Fabrik über Standards, durchgängige Standards.

· Welche Rolle werden IT-Schwergewichte wie SAP und Microsoft dann in Zukunft in der Fabrik spielen? Werden die das Feld aufrollen?

Franke: Da werden wir bei Siemens alles tun, damit das nicht passiert. Wir haben den Anspruch, im Fabrikumfeld die führende Rolle zu spielen. Und wir können das im Gegensatz zu den IT-Größen auch, weil wir die Prozesse der Kunden kennen: Wir wissen, wie man Autos baut und wie man Bier braut, wir kennen die Prozessoptimierungsmöglichkeiten und auch die Sicherheitsrisiken.

· Apropos Risiken: Mit der Durchgängigkeit verschwinden auch die Grenzen zwischen Büro- und Fabriknetz. Und mit der Offenheit nehmen auch Sicherheitsrisiken zu. Was tun Sie dagegen?

Franke: Die Sicherheit spielt für uns eine Riesenrolle, schon seit wir Ethernet-basierte Systeme betreiben. Wir haben daher schon immer mit den wesentlichen Unternehmen für IT-Sicherheit kooperiert und Sicherheitsstandards aus der Office-Welt in unsere Simatic-Systeme eingebaut. Deswegen ist ja der Stuxnet-Angriff ohne Auswirkungen bei unseren Kunden ins Leere gelaufen. Diese Anstrengungen werden wir weiter fortführen und Neuerungen in der Office-Welt auch in der Fabrikwelt implementieren.

· Verstehen die Kunden denn die Problematik?

Franke: Die Sensibilität gegenüber IT- Sicherheitsrisiken ist in der Fabrik bei weitem noch nicht so ausgeprägt wie am PC. Dabei ist die Relevanz für Security in der Fabrik sogar noch viel höher. Wenn der PC bei Virenbefall eine halbe Stunde außer Betrieb ist, macht das zumeist nicht so viel aus, wie wenn die Fabrik eine halbe Stunde steht. Daher müssen wir bei Kunden noch mehr Training anbieten. Richtig ist aber auch: Wir können mit der Automatisierung nur einen Beitrag leisten, das gesamte Security-Konzept muss von der IT-Abteilung kommen. ab

Siemens AG Industry Automation Division www.siemens.com

„Relevanz für Security ist in der Fabrik viel höher als beim PC"

31.05.2011


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