- Software-Tools gewinnen in Robotik, Montage und Handhabung an Bedeutung. Konstruktion, Programmiertung und Bedienung sollen damit einfacher werden. Das birgt aber auch einige Herausforderungen.
Software vereinfacht Engineering und Bedienung
„Unsere Hardware ist weitestgehend entwickelt, nun geht es verstärkt um Softwareinnovationen", sagt Adept-Vertriebsmann Olaf Trimpop-Dietz. Ein wichtiges Ziel: „Um den Einstieg in die Robotik zu erleichtern, muss es einfacher werden, den Roboter zu programmieren." So können nun Programmierer aus der Siemens-Welt mit der ePLC Connect Server Software simple Pick & Place-Anwendungen ohne Robotik-Know-how realisieren: Die Roboter-Programmierung erfolgt direkt aus der Simotion-Steuerung. Ähnliches gibt es in den USA bereits mit Rockwell-Steuerungen.
Auch Kuka öffnet sich mit mx-Automation in Richtung SPS: Zur einfachen Werkzeugmaschinen-Automation kann beispielsweise die KCR4-Steuerung mit der Sinumerik-Plattform verknüpft werden. So wird der Bewegungsablauf des Roboters komplett in der Sinumerik SPS programmierbar. Yaskawa hatte Ähnliches schon 2010 angekündigt. Auch Stäubli bietet mit Univaldrive Maschinenbauern die Möglichkeit, seine Scara- und Knickarmroboter via Sercos3, Powerlink oder Ethercat mit externen Steuerungen anzusprechen.
Mit Adepts Tool e-Vario Teacher lassen sich zudem deren Einstiegs-Scaras nun über eine übersichtliche Benutzeroberfläche ohne Programmier-Know-how parametrisieren. Neu ist auch ein Tool zur Offline-Programmierung, das den Robotercontroller auf dem PC virtuell abbildet. „Eine solche Simulations-Software haben wir schon lange", kontert Dirk Folkens, Sales-Manager beim Rivalen Epson. Die Meerbuscher bieten das völlig in ihre Entwicklungsumgebung integrierte Simulations-Tool (ebenso wie Adept) kostenlos an – auch und gerade für ihre neuen kostengünstigen Einstiegs-Scaras der LS-Klasse, mit der sie Lineartechnik-Kunden vom Roboter überzeugen wollen.
Folkens: „Mit dem Tool können Kunden die Inbetriebnahmezeit der Anlage verkürzen, weil sie bereits am PC feststellen können, ob eine Anwendung samt Taktzeiten so funktioniert." Später könne man die Applikation nach Übertragen der Daten auf den Roboter genau so laufen lassen.
Engineeringkosten steigen
„Der Faktor Software gewinnt aber auch bei Montage und Handling an Bedeutung", ergänzt Dr. Steffen Haack, Vertriebsleiter Fabrikautomation bei Bosch Rexroth. Denn durch die zunehmende Elektrifizierung von Maschinen und Anlagen könne man immer mehr Funktionen in die Software verlagern. „Die Engineeringkosten nehmen daher einen immer höheren Anteil an den Herstellkosten ein und übersteigen immer häufiger die eigentlichen Hardwarekosten." Clevere Software-Tools für das Engineering können aber die Anlagenkosten deutlich senken, so Haack.
Diesen Trend bestätigt Ullrich Wirtschel, Leiter Vertrieb bei Festo. „Software-Tools sind für uns wichtige Bausteine, um auf Basis unserer Produktbaukästen kundenindividuelle Lösungen optimal auszulegen und zu konfigurieren." Zudem müssten immer intelligentere und leistungsfähigere Produkte einfach zu bedienen sein: „Software hat auch dabei eine sehr hohe Bedeutung."
Für Claus Oetter vom Fachverband Software im VDMA ist diese gesteigerte Software-Aufmerksamkeit ein längst überfälliger Bewusstseinswandel: „Die Software ist schon seit 20 Jahren da. Nun merken die Maschinenbauer aber endlich, dass Metall nicht alles ist und viele Dinge viel flexibler in Software gegossen werden können." Zugleich nehme die Diffusion originärer IT-Themen in die Investionsgüterindustrie zu. „Am Iphone sehen die Anwender, dass komplexe Geräte auch einfach zu bedienen sein können. Das fordern sie auch von ihrem Maschinenbauer."
Aber natürlich nehme die Softwaremenge auch tatsächlich zu, sagt Oetter, weil die Komplexität der Anlagen wächst. „Der Softwareanteil in den Projekten steigt", bestätigt Teamtechnik-Geschäftführer Axel Riethmüller. „Daher gilt es, den Aufwand für die Softwareentwicklung durch Modularisierung und Wiederverwendbarkeit gering zu halten."
Modularisierung gefordert
Die Forderung nach Modularisierung komme aber auch von Anwendern, ergänzt Oetter. „Die wollen keine überdimensionierten Anwendungspakete, sondern nur Funktionen, die sie auch benötigen." Hier sei ein Umdenken in den Softwarearchitekturen nötig, wo im Moment noch gewachsene, unübersichtliche Strukturen vorherrschen. „Dafür braucht man moderne Softwarearchiekten, die am besten im Team mit Maschinebauern und Usability-Experten arbeiten", erläutert Oetter. „In vielen Mechatronik-Studiengängen wird das schon so praktiziert."
Bleibt nur die Frage, wie man solche raren Softwarearchitekten dazu bekommt, statt bei hippen Konzernen wie IBM, SAP und Google lieber beim Maschinenbauer in der Provinz zu arbeiten. „Die Arbeit an einer echten Maschine, bei der es später richtig krachen kann, ist viel spannender als ein Börsensystem", sagt Oetter. „Wichtig wird nun sein, das Spannende auch zu verkaufen."
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