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Interview: Eugen Elmiger, CEO, Maxon Motor AG

„Inspektionsroboter und Laborautomation im Visier"

Seit Anfang 2011 ist Eugen Elmiger der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Maxon Motor. Der studierte Elektrotechniker arbeitet seit 1991 in Sachseln. Seit 2006 ist er in der Geschäftsleitung verantwortlich für Verkauf und Marketing. Die Antriebssysteme der Schweizer kommen überall dort zum Einsatz, wo Präzision und Zuverlässigkeit an erster Stelle stehen. Dazu gehören neben Industrieautomation sowie Mess- und Medizintechnik auch Roboter. Elmiger: „Bei humanoiden Robotern haben wir in Japan einen Marktanteil von über 70 Prozent
Seit Anfang 2011 ist Eugen Elmiger der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Maxon Motor. Der studierte Elektrotechniker arbeitet seit 1991 in Sachseln. Seit 2006 ist er in der Geschäftsleitung verantwortlich für Verkauf und Marketing. Die Antriebssysteme der Schweizer kommen überall dort zum Einsatz, wo Präzision und Zuverlässigkeit an erster Stelle stehen. Dazu gehören neben Industrieautomation sowie Mess- und Medizintechnik auch Roboter. Elmiger: „Bei humanoiden Robotern haben wir in Japan einen Marktanteil von über 70 Prozent"
Für den den EC 22 HD, den ersten Standardmotor für extrem raue Einsatzbedingungen, wurde Maxon 2010 zum zweiten Mal mit dem Innovationspreis der Zentralschweizerischen Handelskammer ausgezeichnet
Für den den EC 22 HD, den ersten Standardmotor für extrem raue Einsatzbedingungen, wurde Maxon 2010 zum zweiten Mal mit dem Innovationspreis der Zentralschweizerischen Handelskammer ausgezeichnet
Maxon und seine hochpräzisen Antriebssysteme sind dieses Jahr 50 Jahre alt geworden. Im Gespräch mit der Automationspraxis wirft der CEO Eugen Elmiger einen Blick zurück und gibt einen Ausblick auf neue Themen und Märkte.

· Wie hat sich Maxon in den 50 Jahren seines Bestehens gewandelt?

Elmiger: Maxon Motor steht auch heute noch für die gleichen Werte wie vor einem halben Jahrhundert: Innovation, Qualität und Kontinuität. Seit unserer Gründung legen wir großen Wert auf ein gesundes Wachstum fernab von Shareholder Value und Spekulanten. Trotzdem konnten wir seit Ende der 70er Jahre unseren Umsatz von 15 auf über 258 Millionen Schweizer Franken und die Mitarbeiterzahlen von 200 auf heute fast 2000 konstant erhöhen. Natürlich gab es auch bei uns einige Jahre mit rückläufigen Zahlen, doch waren diese – gemessen an den Launen der Weltwirtschaft – verhalten. Darauf sind wir stolz.

· Sie selbst sind auch bereits seit 1991 an Bord. Was waren in diesen 20 Jahren Ihre Highlights?

Elmiger: Es waren vor allem die 1001 verschiedenen Anwendungsgebiete unserer Produkte und die damit verbundenen Ansprüche, sich jeden Tag wieder neu herauszufordern. Speziell hervorheben möchte ich dennoch zwei Höhepunkte: 1997 als die Sonde Pathfinder mit dem Rover Sojourner – ausgerüstet mit 11 Maxon DC-Motoren – auf dem Mars landete. Und 2010, als wir zum zweiten Mal mit dem Innovationspreis der Zentralschweizerischen Handelskammer ausgezeichnet wurden. Gekrönt wurde damals unser Präzisionsmotor für Extrembedingungen, der EC 22 HD.

· Welche Rolle spielen Vorzeigeprojekte wie Marsrover? Bringen die wirklich Umsatz? Oder können Sie hier in erster Linie technische Erfahrungen sammeln, die später in Industrieprojekte Einzug halten?

Elmiger: In einer ersten Phase bringen solche Projekte sicher nicht den Riesenumsatz, sondern helfen uns vor allem dabei, wie Sie richtig erwähnen, Erfahrungen in neuen und extremen Bereichen zu sammeln. Sie sind somit auch ein wichtiger Teil unserer Innovationspolitik. Ein Beispiel dafür ist eben der Extremmotor EC 22 HD, der 200 Grad, 100 G und 1700 bar aushält. Wenn wir nun aber sehen, dass wir heute weltweit mit unterschiedlichsten Weltraumbehörden- und Institutionen zusammenarbeiten dürfen, dann kann dies durchaus auch monetär attraktiv sein.

· Wollen Sie als CEO neue technische Themenfelder angehen oder geht es für Sie mit Ihrem langjährigen Know-how in Sachen Verkauf und Marketing sowie Aufbau Asien vor allem um das Erschließen neuer Absatzmärkte?

Elmiger: Sowohl als auch. Auf der einen Seite ist uns die Nähe zu den Kunden sehr wichtig. Darum bauen wir unser Verkaufsnetzwerk kontinuierlich aus. Andererseits ist die Antriebstechnik eine sehr lebendige Branche. Wir müssen unsere Produkte stetig verbessern, kleiner und zugleich leistungsfähiger machen. Wichtige Themengebiete bleiben dabei Energieeffizienz und Heavy-Duty-Anwendungen. Beispielsweise arbeiten wir an bürstenlosen Motoren und Getrieben, die mindestens in einem Temperaturbereich von minus 130 Grad bis plus 200 Grad Celsius zuverlässig arbeiten. Und für die Medizintechnik bauen wir unser Programm an sterilisierbaren Antriebssystemen aus.

· Welche Rolle spielt dabei der deutsche Markt für Sie?

Elmiger: Ein wichtige Frage – wir arbeiten mit vielen Universitäten, Hochschulen und Technologieunternehmen zusammen. Dank deren hohen Anforderungen können wir unsere Antriebe immer wieder ein Stück besser machen. Vor allem in der Medizintechnik ist ja Deutschland sehr stark.

· Und welchen Anteil hat die Industrieautomation an Ihrem Umsatz?

Elmiger: Die Industrieautomation macht knapp 30 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus. Typische Einsatzgebiete sind etwa Handlingsysteme im Halbleitermarkt, Automatisierung in der Landwirtschaft oder Industrierobotor für optische Messsysteme.

· Wo und wie wollen Sie im Bereich Industrieautomation noch wachsen?

Elmiger: Zum Beispiel in der industriellen Laborautomation oder bei hochautomatisierten Inspektionsrobotern.

· Sie unterstützen auch das Artifi- cial Intelligence Laboratory (AI Lab) an der Universität Zürich. Was versprechen Sie sich hiervon?

Elmiger: Wir unterstützen zukunftsweisende Projekte in unterschiedlichen Bereichen. Mit dem AI Lab sind wir eine Partnerschaft eingegangen, damit sich unkonventionelle Ideen wie Eccerobot optimal entwickeln können. Das AI Lab ist in zahlreichen Projekten auf internationaler Ebene involviert, so dass neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft auch direkt in unsere Entwicklungen einfließen können. Das EU-Forschungsprojekt Eccerobot beispielsweise verfolgt einen völlig neuen Ansatz in der humanoiden Robotik. Es baut menschenähnliche Roboter mit Knochen, Muskeln und Sehnen. Eccerobot soll ferner individuell auf verschiedene Situationen reagieren und mit der Umgebung in Austausch treten können. Denn ein Roboter-Butler im Haushalt oder ein Roboter-Pfleger im Spital sollte genau diese Eigenschaften haben.

· Werden solche Service-Roboter in ähnliche Stückzahlenbereiche vorstoßen wie klassische Industrieroboter?

Elmiger: Keine einfache Frage. Roboter werden in den nächsten Jahren bestimmt immer wichtigere Aufgaben bei der Inspektion und der Reparatur von Industrieanlagen und Infrastrukturen übernehmen. Sie werden uns helfen, nach Katastrophen Menschen zu retten, und auch im Operationssaal vermehrt zum Einsatz kommen. Wann wir aber beim Kochen, Waschen oder Fensterputzen Unterstützung bekommen, muss ich meinen Staubsaugerroboter fragen (lacht). ab

Maxon Motor ag www.maxonmotor.com

„Mehr sterilisierbare Antriebe für die Medizintechnik"

31.10.2011


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