- Der Automationsexport steigt und China mausert sich zum gelobten Land für die deutschen Anbieter. Das führt auch zu Zusammenschlüssen, wie das aktuelle Beispiel der beiden Montagespezialisten Teamtechnik und Pfuderer zeigt.
China-Boom fordert die Maschinenbauer heraus
„2010 verdoppelten sich die weltweiten Roboterverkäufe nahezu auf 118 337 Einheiten im Vergleich zu 2009", vermeldet der Weltroboterverband IFR. 14 000 davon wurden 2010 nach Deutschland geliefert, ein Plus von 65 %. Für 2011 erwartet das IFR global ein Plus von 18 Prozent auf fast 140 000 Roboter, bis 2014 sollen es 167 000 Stück sein. „Spätestens 2014 wird dann China an der Spitze der Robotermärkte sein", so die IFR.
Aber nicht nur für die weltweite Robotik, sondern auch für die deutsche Automatisierungsbranche insgesamt hat sich Fernost zum Hauptexportmotor entwickelt. „China ist mit über acht Prozent Umsatzanteil der größte Abnehmer von Robotik und Automation aus Deutschland", so Thilo Brodtmann, Verbandschef des VDMA Robotik+Automation.
Diese Internationalisierung hat jedoch Folgen. „Auf den Märkten weltweit präsent zu sein, ist künftig überlebensnotwendig" , so Teamtechnik-Geschäftsführer Stefan Rosskopf. „Das bedeutet auch, dass es für Unternehmen kritisch wird, die für eine nachhaltige Internationalisierungsstrategie zu klein sind." Diesen Worten lässt er nun Taten folgen und nimmt den benachbarten Montageanlagenbauer Pfuderer mit einer 90-Prozent-Beteiligung unter die Fittiche seiner Firmengruppe.
Pfuderer will von den größeren und internationalen Vertriebs- und Produktionskapazitäten profitieren: „Durch den Zusammenschluss haben wir die Chance, unser technisches Potenzial gezielt und weltmarktorientiert zu entfalten", freut sich Martin Pfuderer. Der Sohn des Unternehmensgründers wird gemeinsam mit Teamtechnik-Manager Axel Riethmüller weiter die Geschäfte führen.
Auch Teamtechnik profitiert: „Mit Pfuderers schneller und präziser Kurventechnik können wir nun im Bereich Medizintechnik Montageanlagen mit mehreren hundert Takten pro Minute bauen", erläutert Roßkopf. Damit stoßen die Freiberger in Geschäftsfelder von Sortimat oder Mikron vor. „Mit solchen Anlagen wollen wir auch und gerade in China punkten, etwa bei der Montage von medizinischen Massenartikeln." Denkbar wäre dann, dass diese Anlagen – ebenso wie heute schon Solar- und Automotive-Maschinen – auch vor Ort in China gebaut werden. Roßkopf: „Chinesische Kunden erwarten, dass ein gewisser Wertschöpfungsanteil lokal erbracht wird."
Davon weiß der Solar-Maschinenbauer Manz ein Lied zu singen, der einen Großteil seines Geschäfts in Asien abwickelt. 2011 hat er mit 10 Millionen Euro Investitionsvolumen den Bau eines neuen Werks mit 16 000 m2 Fertigungsfläche und 700 Arbeitsplätzen in Suzhou begonnen – das größte Werk der Manz-Gruppe. „Die Chinesen lieben deutsche Technik, wollen aber keine deutschen Preise für deutsche Maschinen bezahlen", sagt CEO Dieter Manz. Maximal 10 bis 15 Prozent Premiumaufschlag seien drin. Eine lokale Produktion sei daher auch aus Kostengründen wichtig.
Aber Manz geht das vorsichtig an: „Wir bauen unsere Maschinen erst dann vor Ort , wenn auch ein lokaler Wettbewerber auftritt." Denn es gelte, allzu frühzeitigen Abfluss von Know-how zu verhindern. Daher werden in Suzhou nur Maschinen der unteren Technik-Liga gebaut.
Und Manz hat bereits die nächste Region im Auge: „Der nächste große Markt nach China ist Indien. Und die Inder verlangen, dass Solarzellen für den heimischen Markt lokal produziert werden." Die Internationalisierung geht also weiter. Ob dann weitere Akquisitionen fällig werden? Roßkopf: „Wenn sich Möglichkeiten bieten, warum nicht? Konkret geplant ist aber nichts."
Keine Fusionswelle im Anrollen
Beim VDMA sieht man jedoch nun keine große Fusionswelle anrollen: Der Trend zur Internationalisierung führe nicht zwingend zu Fusionen. „Die Firmen haben ganz unterschiedliche Ansatzpunkte, um mit der Globalisierung umzugehen und sich international zu platzieren", so Brodtmann. Also: Internationalisierung ja – aber nicht unbedingt verstärkt durch Zusammenschlüsse. „Kooperationen hingegen gab es schon immer und wird es auch weiterhin geben, etwa Service- oder Vertriebskooperationen. Im Ausland rücken Wettbewerber oft klugerweise enger zusammen"
