- Die Automatisierung kann in der Lebensmittelindustrie gute Dienste leisten. Ein Expertenforum der Automationspraxis am 15. September will Anwender daher über die Chancen aufklären. Als Partner sind Bizerba, DIL, EMT, Festo, Kawasaki, LMD, Schmersal und Sensopart mit an Bord.
Food-Automation: Palettieren, Picken und mehr
„Wenn flüssige oder pastöse Produkte in geschlossenen Prozessen verarbeitet werden, ist die Lebensmittelherstellung in der Automatisierung ihrer Prozesse zwar schon relativ weit", berichtet Dr.-Ing. Knut Franke, Robotikfachmann am Deutschen Ins- titut für Lebensmitteltechnik (DIL). „Weniger weit fortgeschritten ist dagegen die Automatisierung in Branchen, die überwiegend stückige Ausgangsprodukte, wie Gemüse oder auch Fleisch verarbeiten."
Denn diese Rohstoffe variieren häufig in den Abmessungen, was die Automatisierung erschwert. „Zudem ist die Qualitätsbewertung dort schwieriger zu automatisieren." Entsprechend liegt nach Expertenschätzungen der Automatisierungsgrad in der Fleisch verarbeitenden Industrie erst bei etwa 20 Prozent. Im Segment Nahrungsmittel und Getränke sind daher laut VDMA in Deutschland insgesamt erst 5000 Roboter aktiv – in der Automotive-Industrie sind es dagegen rund 77 000.
Produktnaher Einsatz wächst
Denn automatisiert wird bislang – wenn überhaupt – nur das Palettieren der fertigen Waren: „Von großer Bedeutung bei der Automatisierung im Food-Bereich sind derzeit Anwendungen im Bereich Palettieren", berichtet Stefan Sagert, Robotik-Experte beim VDMA. „Für das Palettieren und die flexible Sortimentszusammenstellung sind bereits Standardlösungen verfügbar", ergänzt Franke.
Aber auch der Einsatz im produktnahen Bereich, wie Pick-and-Place, werde kurzfristig weiter zunehmen, ist Franke überzeugt. „Diese Anwendungen werden häufig durch die Delta-Kinematik gelöst", ergänzt Sagert.
Doch mit Palettieren und Picken alleine sind die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. So denkt Professor Dr. Herbert Buckenhüskes, Fachgebietsleiter Lebensmitteltechnologie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), an Roboter, die etwa das Drehen und Zusammenstecken von Rollmöpsen übernehmen.
Franke verweist zudem auf die Süßwaren- und Obstverarbeitung. Hier gebe es aufgrund der großen Variationen noch viel Handarbeit. Mit Innovationen bei der Bildverarbeitung und flexiblen Greiftechnik könne man diese Handarbeit jedoch ablösen, so Franke. Auch beim Zerlegen von Fleisch seien durch verbesserte Sensortechnik sowie schnelle 3D-Erkennung Potenziale zu heben.
Denn gerade die Kombination aus Robotik und Vision eröffnet nach Sagerts Einschätzung in Zukunft noch große Chancen – für die automatisierte Qualitätskontrolle ebenso wie für die genaue Portionierung und Verpackung: Denn wenn ein Anbieter das Gewicht der einzelnen Produkte möglichst genau bestimmen kann, wird der Überschuss minimiert und so viel Geld gespart.
Neben den wirtschaftlichen Faktoren sprechen aber auch die hohen Hygieneanforderungen für den Einsatz von Robotik und Automation in der Lebensmittelindustrie. Denn in vielen Fällen ist der Mensch meist das größte Hygienerisiko. „Jeder Finger, der nicht direkt mit den Lebensmitteln in Kontakt kommt, ist eine Kontaminationsquelle weniger", bekräftigt Buckenhüskes.
Anwendern fehlt oft das Wissen
Warum im Food-Bereich trotzdem noch so wenig automatisiert wird? „Potenziellen Anwendern fehlt oft das Wissen, dass Automatisierungslösungen sich schnell bezahlt machen", berichtet VDMA-Mann Sagert. Genau hier setzt das Expertenforum der Automationspraxis am 15. September 2011 an. Es soll interessierte Anwender aufklären, was mit einfacher und innovativer Automatisierungstechnik heute bereits möglich ist und mit welchen Lösungen morgen gerechnet werden kann.
Experten von Bizerba, EMT Automation, Festo, Kawasaki Robotics, LMD, K. A. Schmersal und Sensopart geben dazu praxisnahe Einblicke in die Themenfelder Robotik, hygienegerechte Automatisierungs- und Greiftechnik, Bildverarbeitung, Wäge- und Etikettiertechnik, Sicherheitstechnik sowie Systemintegration. Die Keynote steuert Dr. Franke vom DIL bei. Eine begleitende Ausstellung und eine Führung durch Applikationen runden das lösungsorientierte Programm des Tages ab.
Anmeldung und Programm-Details: www.automationspraxis.de/ lebensmittelforum
