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Produktivitätsfortschritte von 20 bis 30 Prozent sind möglich

Der Standort Deutschland braucht Automation

Fehlende Flexibilität und mangelnde Qualität sind die Hauptgründe, die rein kostengetriebene Produktionsverlagerungen scheitern lassen
Fehlende Flexibilität und mangelnde Qualität sind die Hauptgründe, die rein kostengetriebene Produktionsverlagerungen scheitern lassen
Deutschland ist angewiesen auf Produkte, die als Innovation hier entwickelt und auch hierzulande produziert werden. Die Mess- und Automatisierungstechnik ist dafür eine Schlüsseltechnologie.

Das Label „Made in Germany" steht noch immer für Qualität und Zuverlässigkeit und sorgt für ein sehr gutes Image – das muss auch so bleiben. Die gute Marktposition und Wettbewerbsfähigkeit, die die deutsche Industrie nach wie vor hat, darf nicht verloren gehen – zugunsten von Standorten in Osteuropa, Asien oder Südamerika. Dies gilt besonders für die Produktion, wo leider regelmäßig über Verlagerungen berichtet wird.

Immer mehr Unternehmen verlagerten in der Vergangenheit Produktionsstätten ganz oder teilweise ins angeblich attraktivere Ausland. Seit etwa Mitte der 90er Jahre erlebten wir in manchen Jahren geradezu eine Flucht aus dem Standort Deutschland. Damit einher geht leider der Verlust von Arbeitsplätzen, Einkommen, Wertschöpfung und Steuereinnahmen.

Hier gilt es, zwei verschiedene Beweggründe für Produktionsverlagerungen zu unterscheiden:

· Zum einen ist es wichtig, neue, zusätzliche Märkte zu erschließen, was häufig nur mit einer Vertretung und Produktion vor Ort möglich ist. Diese Art von Produktionsverlagerung ist zu unterstützen, da sie letztlich auch für Wertschöpfung in Deutschland sorgt.

· Anders ist dies bei rein kostenorientierten Produktionsverlagerungen. 80 Prozent der abwandernden Betriebe geben die im Ausland niedrigeren Personalkosten als Hauptgrund für die Produktionsverlagerung an.

In der Realität jedoch – und das belegen Studien – erweist sich, dass rein kostengetriebene Produktionsverlagerungen sehr häufig nicht den gewünschten Effekt gebracht haben. Gründe dafür sind mangelnde Flexibilität in der Produktion, Qualität der Produkte, Koordinationskosten, fehlende Infrastruktur, verfügbares qualifiziertes Personal (siehe Grafik).

Nach rund zwei Jahren sind etwa 20 Prozent der Unternehmen, die Teile ihrer Produktion verlagert haben, wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Heute kommt auf drei Verlagerer ein Rückverlagerer.

Nach Befragungen von über 1600 Unternehmen stellt man fest, dass wichtige Automatisierungstechniken nur wenig zum Einsatz kommen. Nur ein gutes Drittel der Unternehmen gab an, vernetzte CAD/CAM-Systeme, Industrieroboter oder Handhabungssysteme, prozessintegrierte Qualitätskontrolle oder rechnergestützte Lager- und Materialfluss-Systeme zu nutzen. Immerhin gaben weitere Unternehmen an, den Einsatz zu planen – dennoch wird deutlich, dass noch erhebliches Potenzial besteht.

Unternehmen, die eine kostengetriebene Verlagerung des Standorts in Erwägung ziehen, sollten die Optimierungspotenziale am heimischen Standort prüfen. Die Potenziale beziehen sich auf wichtige Leistungskenngrößen wie Produktivität, Prozessqualität, Durchlaufzeiten oder Variantenflexibilität. Hierbei geht es um organisatorische und technische Maßnahmen. Bei den technischen Maßnahmen sind es vor allem Maßnahmen, die auf der Automatisierungstechnik beruhen.

Es gibt Unternehmen, die diese Prüfung sehr intensiv vorgenommen haben und dann in Deutschland bleiben. Auslöser ist nicht selten ein zusätzlicher Einsatz von Mess- und Automatisierungstechnik, um effiziente Produktionsabläufe, hohe Produktqualitäten und notwendige Flexibilitäten für Produktveränderungen zu realisieren.

Konkrete weitergehende Analysen in der Branche von Automobilzulieferern zeigen, dass diese Firmen über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren – der auch für den Aufbau einer Auslandsproduktion mindestens anzulegen ist – durch technische und organisatorische Prozessinnovationen immer wieder Produktivitätsfortschritte von 20 bis 30 Prozent auch an ihren deutschen Standorten realisieren können.

Diese hohen Potenziale müssen durch eine Produktionsverlagerung erst einmal erreicht werden. Die Automatisierungstechnik und innovative Produktionsverfahren machen es möglich, dass Arbeitsplätze in der Produktion am Standort Deutschland gehalten werden können.

Darüber hinaus müssen Szenarien und Roadmaps für die weitere Entwicklung und Anwendung der Mess- und Automatisierungstechnik erarbeitet werden. Die VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik und andere Verbände sind hier bereits tätig geworden. Mit dem Dokument Automation 2020 beispielsweise wird aufgezeigt, welche Bedeutung die Automation für Deutschland hat und weiterhin haben wird.

Dipl.-Ing. Dieter Westerkamp VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) www.vdi.de/gma

25.03.2010


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